Politik | Wirtschaft

Saunafreunde sitzen auf dem Trockenen

Bezirksamt beschneidet Nutzungszeiten im Bewegungsbad Miraustraße um 50 Prozent

Von Bernd Karkossa

Heiligensee/Borsigwalde – Christian Utecht hat gerade gar keine gute Laune. Der Grund: Die Nutzungszeiten für den Saunafreunde Berlin Familiensportverein e.V. im Bewegungsbad der Toulouse-Lautrec-Schule an der Miraustraße wurden von vier auf zwei Stunden pro Woche gekürzt. Die den Saunafreunden weggenommenen zwei Stunden soll nun der VfB Hermsdorf nutzen dürfen. 

„Die Kürzung um 50 Prozent wurde uns ohne jegliche Vorankündigung und ohne die Möglichkeit einer Rücksprache mitgeteilt“, sagt der Vorsitzende der Saunafreude. In einem Schreiben wandte sich Utecht am 10. Juli an die zuständige Stadträtin Katrin Schultze-Berndt. „Obwohl wir einen bestehenden Nutzungsvertrag mit der Schule haben, wurden wir im April von Ihrer Abteilung aufgefordert, einen Nutzungsantrag zu stellen. Dem sind wir umgehend nachgekommen. Am 27. Juni erhielten wir die Antwort. Bei genauem Hinsehen wurde uns eine Nutzungszeit von 18 bis 20 Uhr zugestanden. Und das alles ohne jegliche Begründung und Vorab-Information“, heißt es in der Mail.

Die Saunafreunde nutzen seit 19 Jahren immer dienstags von 18 bis 22 Uhr das Therapiebecken für Wassergewöhnung, Babyschwimmen, Schwimmunterricht für Kinder, Seepferdchen, Senioren-Wassergymnastik, sportliche Wassergymnastik und freies Schwimmen.

„Wir haben seit vielen Jahren ein gutes Verhältnis zum Sportamt inklusive dem Bezirksbürgermeister und sind schon etwas erstaunt, wie hier mit einem Familiensportverein, der seit 69 Jahren in Reinickendorf ansässig ist, verfahren wird. Ich möchte Sie bitten, unseren Antrag mit den bisherigen Zeiten von 18 bis 22 Uhr zu genehmigen. Unsere Übungsleiterin, die extra beim Schwimmverband eine Lizenz erworben hat und mit viel Liebe die Kurse durchführt, sowie die vielen Mitglieder würden sonst sprichwörtlich ,auf dem Trockenen stehen‘“, schrieb Utecht.

Saunafreunde haben Anwalt eingeschaltet

Auf eine Antwort wartete Utecht wochenlang vergeblich. Erst am 23. August meldete sich Schultze-Berndt zurück: „Im Bezirk stehen nur begrenzte Kapazitäten an Hallenbädern zur Verfügung, die sich aktuell durch die Sanierung des Paracelsus-Bades noch einmal erheblich verringern. Facility Management und Sportamt haben sich deshalb verständigt, einzelne Trainingszeiten zu kürzen, um an den reduzierten Ressourcen möglichst viele Sportvereine, wenn auch in eingeschränktem Umfang, teilhaben zu lassen. Ich hoffe trotz der Einschränkungen für Ihren Verein in der Sache auf Ihr Verständnis“, heißt es in der Mail, die der RAZ vorliegt. 

Utecht suchte daraufhin das Gespräch mit VfB-Präsident Werner Sauerwein. Das aber verlief aus Sicht des Saunafreundes unerfreulich. „Wenn wir wenigstens noch eine halbe Stunde mehr hätten, würde uns das zur Not reichen. Aber der VfB besteht auf seinen zwei Stunden.“ Die Saunafreunde haben inzwischen einen Rechtsanwalt zur Wahrung ihrer Interessen eingeschaltet und Widerspruch gegen die Bezirksamt-Entscheidung eingelegt. Auf der Webseite der Toulouse-Lautrec-Schule heißt es im Übrigen: „Anfragen nach neuen und/oder zusätzlichen Belegungsmöglichkeiten können nicht berücksichtigt werden. Das Therapiebecken ist seit Jahren voll ausgelastet. Bitte sehen Sie von telefonischen Anfragen an das Sekretariat der Schule ab.“

6. September 2019