Politik & Wirtschaft

Massive Ernteausfälle auch in Lübars

Der Jahrhundertsommer setzt den Landwirten arg zu – große Einbußen beim Hafer

von Bernd Karkossa

Der Jahrhundertsommer 2018 – was für viele eine ganz tolle Sache ist, bedeutet für andere Probleme. Deutschlands Landwirte stöhnen in vielen Regionen über Ernteausfälle wegen des ausgebliebenen Regens, und die Dürre hat auch nicht vor dem Berliner Norden haltgemacht. Die sieben Lübarser Bauern sind betroffen, auch die Landwirtschaft Zorn in Heiligensee muss erhebliche Einbußen verkraften.

„Es ist schon das zweite Katastrophenjahr in Folge“, sagt Ute Kühne-Sironski vom Reiterhof Kühne-Sironski in Alt-Lübars. Im vorigen Jahr sei alles abgesoffen, und nun alles vertrocknet. „Ist der Mai kühl und nass, füllt den Bauern Scheun‘ und Fass, lautet ein altes Sprichwort“, sagt die Landwirtin, 1. Vorsitzende der Berliner Landfrauen und Kommunalpolitikerin, die für die CDU in der Reinickendorfer Bezirksverordnetenversammlung sitzt. Davon konnte in diesem Jahr keine Rede sein, seit Ostern hat es bekanntlich so gut wie keinen Regen gegeben. „Als Landwirt lebt man mit der Natur“, sagt Frank Sironski. „Da hat man immer wieder mal ein schlechtes Jahr. Aber inzwischen ist das ja fast schon der Normalfall.“

Der Klimawandel eben. Wissenschaftler warnen vor einer Häufung besonders nasser oder wie in diesem Jahr eben trockener Wetterlagen. Weil es über der Arktis wärmer geworden ist, und die Temperaturunterschiede zu südlichen Gefilden immer kleiner werden, hat sich der Jetstream abgeschwächt. Dadurch verliert der schnelle Höhenwind seine Funktion als der große Wetterwechsler, der in rascher Folge Hochs und Tiefs vom Atlantik nach Mitteleuropa führt. So verbleiben Wetterlagen länger an Ort und Stelle, das können Tiefs sein wie 2017 oder Hochs wie in diesem Jahr.

Die Einbußen sind gewaltig, insbesondere bei der Haferernte. „Normalerweise ernten wir sechs Tonnen auf einem Hektar Boden, jetzt sind es zwei. Beim Roggen vier Tonnen statt sechs“, sagt Axel Gericke, der Vorsitzende des Landesverbandes Landwirtschaft & Pferdehaltung Berlin. Auf den Landwiesen ist „tote Hose“. „Wir sind in diesem Jahr richtig froh über unsere Wiesen im Fließ“, sagt Ute-Kühne-Sironski. Da gab es schon Anfang Juni den ersten Schnitt für die Heuernte. Aber im Natura-2000-Gebiet herrschen strenge Auflagen, und es darf wegen des Tierschutzes nur zu bestimmten Zeiten gemäht werden. 

Einen Antrag auf Entschädigung werden sie aber wohl nicht stellen. „Das habe ich im vorigen Jahr gemacht, aber das wurde abgelehnt“, sagt die Landwirtin. Aber sie hat frühzeitig die Fühler nach anderen Futterquellen für die Pferde in ihrer Pension ausgestreckt. Man müsse Futter zukaufen. Das Problem sei, dass Heu deutschlandweit knapp sei, die Preise steigen. „Womöglich müssen wir das auf unsere Kunden umlegen“, sagt Kühne-Sironski. „Ich hoffe aber, dass wir das auch so hinbekommen.“

4. September 2018

Foto: Bernd Karkossa