Kultur & freizeit

Temporeiche Unterhaltung in der Hafenbar Tegel

„Der Captain und der Strange“ präsentieren eine abendfüllende LateNight Show

Von Christian Horn

Wir sind die Kinder von Psychiatern und Steuerberatern.“ Mit trockenem Hohn nimmt die Band „Frau Rotkohl“ Kindheit und Jugend in einer materiell abgesicherten, aber durchaus nicht konfliktfreien oberen Mittelschicht auf die humoristische Schippe. Frau Rotkohl sind der erste von drei Live-Acts in der „Captain Strange LateNight Show“ in der Hafenbar Tegel.

„Seit Januar dieses Jahres veranstalten wir jeweils am letzten Donnerstag im Monat unsere LateNight Show hier in der Hafenbar“, erzählt Jesko Habert. Er und Johnnes-Paul Neumann aka Yo-Pa sind Kollegen im Künstlerkollektiv Kiezpoeten.com und moderieren als „der Captain und der Strange“ eine abendfüllende Show, auf der Dichter, Poetry-Slammer, Liedermacher und kleine Bands für temporeiche Unterhaltung sorgen. Die beiden sind schon seit vielen Jahren als Dichter und Poetry-Slammer, aber auch als Veranstalter und Moderatoren in der Berliner Wortkunst-Szene aktiv. Beide haben eigene Shows in anderen Berliner Stadteilen und treten deutschlandweit auf Festivals auf. „Wenn es uns gelingt, unsere LateNight Show hier in der Hafenbar zu etablieren, wäre dies der nördlichste Veranstaltungsort der Poetry-Songwriter-Szene in ganz Berlin“, sagt Jesko Habert.

In der Szene kennt sich jeder und so ist der Umgangston zwischen Künstlern und Moderatoren auf der Bühne alles andere als höflich-distanziert. Da wird stilvoll gestichelt, mit großen Gesten und Augenzwinken erzählt, verhandelt und doppelbödig, aber immer liebevoll die große Kunst der Live-Show und Stehgreifimprovisation zelebriert.

Nach der vielfach mit Kabarett- und Kleinkunstpreisen ausgezeichneten Band Frau Rotkohl kommt der „lyrische Tausendsassa“ Yussuf Rieger zum Zug. In Stralsund aufgewachsen, arbeitete der inzwischen 23-Jährige zunächst als Reporter für die Ostsee-Zeitung, bis er, bei einer Recherche über die Poetry-Slam-Szene, seinen ersten Slam besuchte und danach „die Seiten wechselte“. Er wohnt inzwischen im Wedding und ist fester Bestandteil der Berliner Slam-Szene.

Yussufs Gedichte sind schlicht erstaunlich, dicht komponiert und mit einer ganzkörperlichen Intensität vorgetragen, die das Publikum begeistert. Auch wenn er keine leichte Kost präsentiert – für die Bannkraft seiner Persönlichkeit und seines wahrhaftigen Vortrags erntet er tosenden Applaus.

Den krönenden Abschluss des Abends setzen „Sommertag“. Das Singer-Songwriter-Duo der Zwillingsschwestern Inke und Birte Henneberger vom Müggelsee, die schon seit jungen Jahren zusammen Musik machen, singt stimmgewaltig von Liebe und großen Gefühlen und rührt so manchen im Publikum zu Tränen. 

Die nächste Captain Strange LateNight Show findet am 24. Mai ab 20 Uhr in der Hafenbar Tegel statt – wieder mit hochkarätigen Gästen, wie „Der Captain“ Jesko Habert verspricht. Danach geht es in die Sommerpause, im September oder Oktober soll es weitergehen mit dem Captain, dem Strange und Gästen. 

12. Mai 2018

Foto: Christian Horn