Politik & Wirtschaft

Ausgebildete Lehrer für alle ist das Ziel

SPD will Quereinsteiger gerechter an Schulen verteilen – die RAZ im Gespräch mit Maja Lasić

Von Andrei Schnell

Manche Schulen – wie etwa die Max-Beckmann-Oberschule – sind bei Eltern, Schülern und Lehrern beliebt. Denn auch Lehrer haben Topschulen. Das führt dazu, dass die weniger nachgefragten Schulen über offene Stellen klagen oder diese lediglich mit Quereinsteigern besetzen können. An den unter Lehrern beliebten Schulen ist das Wort Quereinsteiger dagegen ein Fremdwort. Maja Lasić, die bildungspolitische Sprecherin der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus, ärgert dieser Zustand. Sie fordert mehr pädagogische Gerechtigkeit. 


Sie sprechen von einer päda­gogischen Gerechtigkeitslücke. Was ist mit diesem Begriff gemeint?

Wir wollen allen unseren Schülerinnen und Schülern das gleiche Versprechen von guter Bildung geben. Wenn aber über Jahre hinweg in bestimmten Stadtvierteln wie dem Märkischen Viertel oder in Reinickendorf-Ost vor allem Quereinsteiger eingestellt werden und in anderen Stadtteilen werden durchgehend voll ausgebildete Lehrkräfte eingestellt, dann haben wir eine Fehlverteilung. 


Wie groß ist das Problem zum Beispiel im Märkischen Viertel oder in Reinickendorf-Ost, den sozialen Schlusslichtern im Norden?

Die Zahlen in Berlin zeigen, dass es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen dem Anteil der Kinder aus sozial benachteiligten Familien und dem Anteil der Quereinsteiger an einer Schule: je mehr arme Kinder, desto mehr Quereinsteiger. Reinickendorf ist in bestimmten Vierteln ebenfalls betroffen. 2017 waren zum Beispiel an der Grundschule am Schäfersee von 35 Lehrern gleich fünf Quereinsteiger, das sind 14 Prozent! Oder die Chamisso-Grundschule. Dort waren im letzten Jahr vier von 46 Lehrern nicht voll ausgebildet, sondern Seiteneinsteiger.

Sie werben nun für eine „aktive Ressourcensteuerung“. Quereinsteiger wie neu einzustellende Lehrer mit Ausbildung sollen gerecht verteilt werden. Wie soll das erreicht werden?

Das muss noch verhandelt werden. Aber der einzelne Lehrer oder die einzelne Lehrerin werden nicht etwa zwangsversetzt. Mein Anliegen ist vielmehr die Verpflichtung möglichst vieler Schulen, sich an der Ausbildung der Quereinsteiger zu beteiligen. Wenn wir fast 1.000 Quereinsteiger haben, dann sollen sich möglichst viele der 800 Berliner Schulen an deren Ausbildung beteiligen. Das ist nur gerecht. Allein dadurch wird es auch zu einer gerechten Verteilung der demnächst rund 2.500 neu einzustellenden Lehrkräfte kommen. Dann werden auch mehr voll ausgebildete Lehrkräfte zum Beispiel ins Märkische Viertel kommen.


Im Bezirk sind die sozialen Probleme im Märkischen Viertel oder in Reinickendorf-Ost besonders hoch. Sind damit nach Ihrem Konzept alle dortigen Schulen Brennpunktschulen?

Der Begriff Brennpunktschule sagt nichts über die Qualität des Unterrichts aus, sondern sagt nur: „Achtung! Diese Schule hat viele Kinder aus sozial benachteiligten Familien und braucht daher zusätzliche Ressourcen und besondere pädagogische Konzepte.“ Diese Ressourcen und pädagogischen Konzepte kontinuierlich auszubauen, ist daher die wichtigste Aufgabe der öffentlichen Schule in Berlin. Viele Brennpunktschulen sind schon jetzt  hervorragende Schulen, und unser Ziel ist es, dass möglichst viele zukünftig noch besser werden. Ein konkretes Beispiel für eine gute Schule in einem sozial schwachen Viertel ist die Hannah-Höch-Gemeinschaftsschule.


Danke für das Gespräch.

24. Juli 2018

Foto: Andrei Schnell