Soziales | Familie

Hilfe voller Herzensfreude

Medikamenten-Versorgung für Obdachlose gestartet

Von Daniele Schütz-Diener

Reinickendorf – „Jetzt kommt der nächste wichtige Schritt, um sozial schwächeren und obdachlosen Menschen in unserem Reinickendorfer Kiez ein weiteres Stück unter die Arme zu greifen“, postete der Bezirksverordnete Norbert Raeder am 15. Januar auf Facebook. Seine neueste Hilfsaktion wurde initiiert von der Apothekenhelferin Jessica Behrens-Knubben, die als Gast in seinem Lokal Kastanienwäldchen mit ihm überlegte, wie sie ihn unterstützen könne. 

Raeder, der schon länger mit dem Team vom Teen- Challenge-Wohnwagen am Franz-Neumann-Platz nach einer unbürokratischen Möglichkeit einer medizinischen Versorgung für kränkliche obdachlose Menschen suchte, entwickelte mit ihrem Arbeitgeber Mehmet Hayrula, dem Inhaber der Easy Apotheke, und seinen Mitarbeitern verschiedene Unterstützungsaktionen. 

Gerade zur jetzigen Winter-Grippe-Welle und Schnupfenzeit sind nicht nur rezeptfreie Erkältungsmedikamente wie Hustensaft, Halsschmerztabletten oder einfach nur Tempotaschentücher sehr wichtig, sondern vieles mehr. „Wer uns bei unserer Obdachlosen-Medikamentenaktion unterstützen möchte, geht einfach in die Easy Apotheke in der Residenzstraße 33 und fragt nach, was gerade dringend benötigt wird“, erklärt die Medikamentenkoordinatorin, die in direktem Kontakt mit den Leuten am Platz steht. Immer werden auch Verbandsmaterialien und Wundsalben zur Erstversorgung von kleineren Wunden benötigt, ebenso Hilfsmittel zur Bekämpfung von Läusen und Flöhen. 

Manchmal gibt es auch spezielle Erkrankungen, so konnte einem an einer Hautkrankheit leidenden Obdachlosen schnell geholfen werden, bevor sich die ansteckende Krankheit weiter ausbreiten konnte. Die Apotheken-Mitarbeiter sammeln die von den Kunden bezahlten Medikamente und geben diese voller Herzensfreude und in ihrem Namen an die bedürftigen Menschen weiter. Die ersten Tüten mit Medikamenten im Wert von über 500 Euro spendeten der Apothekenbesitzer und seine Angestellten. 

Mit seinem Geschäftsfreunde-Netzwerk möchte Norbert Raeder die Hilfsaktion bis zu einer breiteren medizinischen Versorgung an mehreren Tagen der Woche direkt auf dem Franz-Neumann-Platz ausbauen. Ihre Hilfe zugesagt haben bereits drei Arzthelferinnen und zwei Ärzte, und er führt zurzeit Gespräche mit Mitarbeitern eines nahegelegenen Krankenhauses. Gesucht werden noch viel mehr ehrenamtliche Unterstützer aus dem medizinischen Bereich rund um den Kiez der Residenzstraße: „Vielleicht gibt es einige Ärzte, eventuell auch schon im Ruhestand, die mit gesundheitsfördernden Ratschlägen ein paar Stunden in der Woche dabei sein können.“

Der „Weltverbesserer von Reinickendorf“, wie man ihn nennt, wird dank weiterer Spenden bald für die Obdachlosen einige „Little Homes“ – aus Holz gezimmerte Wohnboxen auf vier Europaletten – als Schlafstelle aufstellen können.

2. Februar 2019

Bild: Daniele Schütz-Diener