Kultur & Freizeit

Afrikanische Lebensfreude pur

Das 4. Afrikafestival Vive l‘Afrique im LabSaal in Alt-Lübars

von Christian Horn

„In Afrika tanzen wir immer zusammen. Die Menschen tanzen nicht alleine“, sagt Mwenda Mayer. Auf dem 4. Afrikafestival Vive l‘Afrique im LabSaal ist die südafrikanische Tänzerin von der Bühne gestiegen und übt mit dem Publikum ein paar einfache Tanzschritte ein. Sie zeigt, wie man es macht, loszulassen und in den Rhythmus einzutauchen: „Hört, was die Musik sagt!“

Afrikanische Lebensfreude, Musik und Kultur sind die tragenden Elemente des von AHOI artists & events und PROFOLK Berlin organisierten und vom Musicboard Berlin geförderten Festivals. Mahide Lein, AHOI-Geschäftsführerin und „Kreuzberger Urgestein“, moderiert souverän und navigiert, geschickt die einzelnen Events verbindend, durch den Abend.

Mit stimmgewaltigem Soul übernimmt das Geschwister-Duo „the Thiams“ den musikalischen Einstieg – sie waren in letzter Minute für die erkrankte Sängerin Astrid North eingesprungen. Unterstützt vom Gitarristen Michael Schmitt zeigen die in Berlin als Töchter einer deutschen Mutter und eines senegalesischen Vaters geborenen Schwestern Boussa und N‘gone die Ausdrucksstärke und Gefühlstiefe des -afro-amerikanischen Musikstils. Besonders der Soul, der mit der gerade verstorbenen Sängerin Aretha Franklin so groß und musikalisch weltbedeutend geworden ist, spiegelt in seinem ganzen Pathos und seiner leidenschaftlichen Sehnsucht den tiefen Schmerz des Verlustes von Freiheit und Heimat der nach Amerika verschleppten afrikanischen Sklaven. 

Das Afrikafestival zeigt auch die dunklen Stellen im Verhältnis von Deutschland und Afrika auf. Der Lyriker und Multimediakünstler Michael Küppers-Adebisi spricht mit feinem Sarkasmus für die „Oury Jalloh Initiative“. Der Fall des 2005 unter ungeklärten Umständen in einer Gewahrsamszelle der Polizei in Dessau verbrannten Jalloh beschäftigt ohne abschließendes Ergebnis seit Jahren Instanzen deutscher Gerichte.

Oder das Ehepaar, das sich aus ihrer Kirchenarbeit heraus für die Lampedusa-Flüchtlinge vom Oranienplatz engagiert und von unglaublichen Verhältnissen berichten kann. Das traurige Schicksal dieser Flüchtlinge, die als Arbeitsmigranten in Libyen gearbeitet hatten, im Bürgerkrieg zwischen die Fronten gerieten und schließlich von Regierungstruppen auf Boote in Richtung Europa gezwungen wurden, ist aus der öffentlichen Wahrnehmung völlig verschwunden. Die meisten von ihnen sind nach Jahren des Leidens und der Hoffnungslosigkeit psychisch schwer traumatisiert. 

Dann wieder bringt die Sängerin Djatou Touré aus Elfenbeinküste mit AfriPop und Jazz pure Lebensfreude und faszinierend voluminöse Musikalität in den Saal. Der Auftritt der Sängerin und ihrer Band beschließt einen facettenreichen Festivalabend, auf dessen Fortsetzung man gespannt sein darf. 

4. September 2018

Foto: Christian Horn