Panorama

Goldiges mit großem Appetit

Lieber keine Fische im naturnahen Gartenteich

Von Melanie von Orlow

Seit 2014 haben die Kröten und Frösche in Hermsdorf ein neues Zuhause. Ein Ersatzlaichbiotop wurde nach Vorschlag der NABU-Bezirksgruppe Reinickendorf geschaffen, um ihnen den gefährlichen Weg zum Tegeler Fließ über den Hermsdorfer Damm zu ersparen. Da Kröten und Frösche ihrem Geburtsort ein Leben lang treu bleiben und ihn später zum Ablaichen anwandern, ist das „Umerziehen“ der noch auf das Fließ gepolten Tiere aufwendig, doch inzwischen zeigen die Bemühungen erste Früchte. Vielstimmiges Quaken von Grasfröschen und die Befreiungsrufe der Erdkrötenmännchen, die die Avancen ihrer männlichen Artgenossen abwehren, sind zu hören. 

Doch der Teich hat in der Zwischenzeit neue und unerbetene Bewohner bekommen: Goldfische, die offenbar jemand im Glauben, dem Teich damit ein Gefallen zu tun, hier ausgesetzt hat. Über ein Dutzend dieser Räuber haben sogar die Polarkälte, die Fangversuche von Graureihern und Naturschützern überstanden und werden sich in diesem Jahr ihren Teil an den Kaulquappen holen. Während der Nachwuchs der Erdkröten durch Alarmstoffe und Schwarmbildung noch recht gut geschützt ist, sind die anderen ein leichtes Opfer für die rötlichen Räuber. Gerade in diesem, extra für Amphibien angelegten Gewässer haben solche exotischen Allesfresser eigentlich nichts zu suchen und müssen nun dauerhaft kontrolliert und befischt werden – ein großer Aufwand für die vornehmlich ehrenamtlichen Betreuer des Ersatzlaichbiotops. Dennoch hofft man, dass im Spätsommer viele Frösche und Kröten den Sprung aus dem großen Teich schaffen, um dann in etwa drei Jahren für den eigenen Nachwuchs hier wieder einzuwandern.

Experten raten generell von Fischen in naturnahen Teichen ab – gerade in den eher kleinen Gartenteichen mit nur acht bis zehn Quadratmetern Wasserfläche sind Fische nicht nur effiziente Räuber von Kaulquappen und Libellenlarven, sondern belasten auch das Wasser durch ihre Ausscheidungen. Ohne zusätzliche Filtertechnik überdüngen sie das Wasser und fördern die Algenbildung. Zudem sind gerade nicht-heimische Arten oft besonders vermehrungsfreudig und haben großen Appetit.

Wer den eigenen, fischlosen Teich für Amphibien attraktiv machen will, sollte die Zuwanderwege überprüfen: Ein engmaschiger Gartenzaun oder ein zu steiler Hang macht es gerade den Kröten schwer, den Weg in das kühle Nass zu finden. Formteiche aus Hartkunststoffen sind am Rand oft unüberwindbar steil wenn der Wasserstand etwas gefallen ist. Dann können Kröten übrigens auch ertrinken. Ebenso schätzen sie Röhricht-Gewächse, um die sie ihre mehrere Meter langen Laichschnüre wickeln können. Pflegemaßnahmen wie das Absaugen von Mulm vom Teichboden sollten erst im September oder Anfang Oktober stattfinden, um den Amphibiennachwuchs nicht zu stören.

8. Mai 2018

Foto: Melanie von Orlow