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KaBoN: Droht die Rodung?

Therapeutin Dorothea Kopton befürchtet Verlust des Waldes

Von Andrei Schnell

Wittenau – Der letzte zusammenhängende Wald im Ortsteil Wittenau ist in Gefahr. Darauf macht Physiotherapeutin Dorothea Kopton aufmerksam. Noch erstreckt sich der Mischwald auf dem südlichen Teil des Geländes der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik. 

Auf einer Bürgerversammlung erfuhr die Therapeutin von unterschiedlichen Ideen, wie auf dem alten Klinikgelände 500 oder bis zu 1.500 Wohnungen gebaut werden könnten. Bezirk und Senat verfolgen abweichende Ideen. „Dieser alte Mischwald hat einen eigenen und unschätzbaren Wert und ist Lebensraum vieler seltener und gefährdeter Tierarten“, sagt Dorothea Kopton. Die 56-Jährige hat direkt vor dem Wald eine Fläche gemietet, auf der sie auf einer Koppel Pferde hält. Dort arbeitet sie therapeutisch mit Pferden, um Menschen mit multipler Sklerose (kurz MS) oder Kindern mit Down-Syndrom zu helfen. Hippotherapie heißt die besondere Form. 

Therapie mal ohne Gymnastikball

Wichtig für diese Therapie ist die Abgeschiedenheit. „Auch wenn die Ausbildung zum Therapiepferd ein spezielles Gelassenheitstraining beinhaltet, braucht es für die Hippotherapie einen ungestörten, ruhigen Ort. Ein großes Wohngebiet mit viel Verkehr würde sowohl für die Pferde als auch für die Patienten zu viel Stress bedeuten“, sagt Dorothea Kopton. Sie glaubt, dass der Wald für die Bebauung ausgewählt wurde, weil er sich zufällig in öffentlicher Hand befindet: „Aber man kann doch nicht einen Wald fällen, bloß weil es einfach ist.“

Für 20 Patienten kann sie Hippotherapie in Wittenau anbieten. Auch wenn diese die Therapie selbst bezahlen müssen, lässt sich Dorothea Kopton ein ärztliches Rezept vorlegen. Seit 1993 arbeitet sie auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik. Sie hat die etwas versteckt gelegene Koppel von der ehemaligen Klinik übernommen, die sich „wohl aus Kostengründen davon getrennt hat“. Seitdem bietet sie Hippotherapie quasi als Hob­­by an. Ihr Einkommen verdient sie als halbtags festangestellte Physiotherapeutin. „Von den Zahlungen meiner Patienten decke ich die Kosten für das Pferdefutter.“ Sie wohnt in Wittenau, keine fünf Minuten von der Koppel und ihren Tieren entfernt.

Einer ihrer Stammpatienten, der seit zehn Jahren zum Reiten kommt, ist Uwe Mai. Auf die „Therapie mal ohne Gymnastikball“ freue er sich schon die ganze Woche. 30 Minuten darf er reiten. „Die sanften Schwingungen lösen schmerzhafte Spastiken in meinen Beinen, kräftigen die Rückenmuskeln und trainieren mein Gleichgewicht“, sagt er. 

Von den meisten Krankenkassen wird Hippotherapie nicht als Gesundheitsleistung anerkannt. „Obwohl zahlreiche Studien die Wirksamkeit der Hippotherapie bei neurologischen Krankheitsbildern, bei der Reduzierung der Spastik und bei der Schulung der Koordinationsfähigkeit belegen“, wie Dorothea Kopton sagt.

14. April 2019