Bild: NABU


Panorama

Alle Vögel sind schon da!?

Bitte mitzählen bei der Stunde der Gartenvögel

Interview: Anja Jönsson

Berlin/Bezirk – Wer schilpt und fliegt durch Berlins Gärten und Parks? Die 15. Stunde der Gartenvögel soll es zeigen. Der NABU ruft die Berliner auf, im eigenen Garten oder im Park Vögel zu beobachten. Vom 10. bis 12. Mai können Interessierte die höchste Anzahl jeder Vogelart notieren, die sie im Laufe einer Stunde entdecken. Unter www.nabu.de erfahren Hobby-Ornithologen, wie die Ergebnisse gemeldet werden können. Aber wie genau und warum wird eigentlich gezählt? Die RAZ hat bei dem in Reinickendorf lebenden NABU-Vogelschutzexperten Lars Lachmann nachgehakt.

Es gibt offizielle Zählprogramme für Vögel. Warum wird denn eigentlich überhaupt gezählt?

Durch die NABU-Aktion „Stunde der Gartenvögel“ erhalten wir einen genauen Schnappschuss der Vogelwelt im Siedlungsraum. Über die Jahre können wir feststellen, welche Vogelarten zunehmen und um welche wir uns Sorgen machen müssen.  Es gibt auch Experten-Zählprogramme für Vögel in Deutschland. Aber diese sind gerade im Siedlungsraum, in den Städten und Dörfern etwas schwach auf der Brust. Hier ist die „Stunde der Gartenvögel“ unschlagbar.

Vögel fliegen hin und her. Woher weiß man, ob man nicht vielleicht doppelt zählt? Und ist das schlimm?

Um Doppelzählungen zu verhindern, gibt es eine Regel, an die sich alle halten sollten: Von allen Vogelarten meldet man nur die größte im Verlauf der Zählstunde gleichzeitig gesehene Anzahl von Vögeln einer Art. Das sind dann zwar weniger als wahrscheinlich wirklich anwesend sind, aber immerhin kann man so die Zahlen verschiedener Zähler und aus unterschiedlichen Jahren gut vergleichen.  

Erblickt man wirklich alle Vögel in seinem Garten? Wenn nicht, macht eine Zählung dann Sinn?

Bei jeder Vogelzählung, auch wenn Experten zählen, bleibt immer ein Teil der anwesenden Vögel unentdeckt. Das ist aber nicht schlimm, denn Ziel der Aktion ist nicht, am Ende eine Gesamtzahl aller Vögel zu ermitteln. Es geht um Unterschiede in der Häufigkeit zwischen verschiedenen Arten, Regionen und vor allem zwischen verschiedenen Jahren. 

Spatz, Meise oder Amsel erkennen wohl die meisten. Aber bei Klappergrasmücke oder Heckenbraunelle wird es beim Zuordnen schon enger. Ist es schlimm, wenn Vogelarten verwechselt werden?

Arten, die man nicht einigermaßen sicher bestimmen kann, lässt man am besten weg. Und wenn bei den anderen mal ein Fehler dabei ist, ist das auch kein Drama. Denn genauso wie bei den übersehenen Vögeln können wir davon ausgehen, dass jedes Jahr die gleichen Verwechslungsfehler in etwa gleich häufig gemacht werden. Damit sind die gemeldeten Zahlen immer noch sehr gut vergleichbar.

2. Mai 2019