Bild: Bertram Schwarz


Kultur | Freizeit

Das Familienwappen als Statussymbol

Die Reinickendorferin Andrea Mochmann ist Heraldikerin und entwirft echte Kunstwerke

Interview: Bertram Schwarz

Tegel – Am 27. April war Welt-Grafiker-Tag: Grafiker konzeptionieren und gestalten, entwerfen und layouten, illustrieren und designen. In einem besonderen Bereich der Grafik ist Andrea Mochmann tätig, die mit ihrer Familie in der Freien Scholle in Tegel lebt. Als ausgebildete Grafikdesignerin hatte sie zunächst mehr als 20 Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Ihr Interesse am Mittelalter führte sie dann zur Heraldik und zum Gestalten von Familienwappen. Mittlerweile hat sie Kunden aus ganz Deutschland.

Wie sind Sie darauf gekommen, Wappen zu entwerfen?

Es hat mit unserem eigenen Wappen angefangen. Unsere Hochzeitsfeier sollte „mittelalterlich angehaucht“ sein, und dafür wollten wir die entsprechenden Einladungskarten mit einem Wappen verzieren. So kam es, dass ich anfing, mich mit den Grundlagen der Wappengestaltung zu beschäftigen.

Wie ist ihr Familienwappen aufgebaut?

Bei einem Familienwappen geht der Heraldiker vom Familiennamen aus. Mochmann leitet sich her von slawisch „Moch, Mochow“ ab, gleich „Sumpfort, Moor“. Im Schild wird dies symbolisiert durch die Rohrkolben und die Wellenlinien. Die Pfeile stehen für den Namensteil „Mann“. Zu einem kompletten Vollwappen gehört auch das Drumherum mit Helm, Helmzier und Helmdecke.

Welche heraldischen Regeln gibt es bei der Gestaltung eines Wappens?

Die heraldischen Regeln zielen darauf ab, dass das Wappen klar erkennbar ist. Früher musste dies auch aus 200 Metern Entfernung möglich sein. Es war ein Zeichen, um die Ritter in der Vollrüstung auf dem Schlachtfeld voneinander unterscheiden zu können. Deswegen trug jeder Ritter seine Farben und seine Symbole. Wichtig für die Erkennbarkeit ist eine klare Darstellung und die Einhaltung der Farbregeln. Ein Wappen sollte im Idealfall zweifarbig sein, mit nur einer Farbe wie Rot, Blau, Grün oder Schwarz und nur einer Metallfarbe wie Gelb (Gold) oder Weiss (Silber).

Wie fertigen Sie Wappen an?

Ich skizziere von Hand auf Papier. Für unterschiedliche Farbentwürfe werden die Zeichnungen gescannt und, weil es schneller geht, am Computer eingefärbt. Auch die Reinzeichnung wird noch einmal digital überarbeitet. Ich verwende aber keine fertigen Computerbildchen. Ein Wappen soll nicht zusammengestückelt aussehen, sondern wie aus einem Guss. Die fertige Konturzeichnung wird dann komplett von Hand coloriert, das gibt ihr das einzigartige Aussehen.

Wer darf denn ein Wappen führen?

Jede rechtsfähige Person in Deutschland darf ein Wappen führen. Dabei ist zu beachten, dass das neue Wappen nicht einem bereits existierenden Wappen gleicht. Die offizielle Annahme erfolgt durch Veröffentlichung. Am besten geschieht dies durch Eintragung in eine seriöse Wappenrolle, wie zum Beispiel beim Herold, Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften in Berlin/Dahlem. Dort wird seit 1869 die Deutsche Wappenrolle ergänzend in einer Buchreihe weitergeführt.

Welche Familien lassen sich ein Wappen gestalten?

Es sind Familien, die einen besonderen Familiensinn haben und so ihrem Namen, ihren Werten, ihrer Tradition oder Familiengeschichte ein Zeichen setzen. Oft kommen Menschen zu mir, die schon seit vielen Jahren Familienforschung betreiben und nun den Stammbaum mit einem Familienwappen krönen möchten. In unserer schnelllebigen Welt besteht immer mehr der Wunsch nach Beständigkeit. Was Handy, Auto und Couchgarnitur nicht schaffen, ein solches Familienzeichen kann es: Egal wie viele Generationen ins Land gehen, das Wappen wird stets weitergegeben und bleibt bestehen.

Vielen Dank für das Gespräch.

5. Mai 2019