Foto: Spree-PR


Panorama

Wie man lebt, so grillt man

Die RAZ im Gespräch mit einem Profi-Grillmeister

Interview: Celine Fink

Heiligensee – Sven Dörge ist Barbecue-Sommelier, -Meister, -Philosoph und -Consultant. Mit seiner Firma „Dickes B“ organisiert er Barbecue-Events, bietet Caterings an und gibt Grillseminare – aus Reinickendorf für ganz Berlin!

Wie kommt man dazu, Barbecue-Philosoph und -Sommelier zu werden?

Philosoph wird man, wenn man über den Tellerrand hinausschaut, wenn man sich über das große Drum und Dran Gedanken macht – um die Umwelt, die Haltungsbedingungen der Tiere, das Einkaufsverhalten, den Umgang mit sich selbst, die Ausgestaltung der verfügbaren Freizeit, um Lebenshaltungen und Einstellungen. Das wirkt ja alles zusammen in jedem Menschen, und so wie man zum Leben eingestellt ist, grillt man eben auch – entweder schnell und oberflächlich oder etwas tiefgründiger… wenn man sich über all das Gedanken macht und in seine Arbeit einbezieht, entsteht ein runderes, volleres Ergebnis. Sommelier ist ein im weitesten Sinne guter Gastgeber, und als der verstehe ich mich und mein Unternehmen. 

Die Grillsaison hat wieder begonnen. Was bedeutet das für Sie?

An Wettbewerben nehmen wir nicht mehr teil, da sollen sich jetzt die jungen Teams beweisen. Dennoch bedeutet der Saisonbeginn für uns, dass es nun massiv mit der Arbeit los geht – drei bis vier Veranstaltungen pro Woche mit Vorbereitungen… unsere Tage haben von April bis September oft 16, 18 oder mehr Stunden.

Haben Sie einen Tipp für alle Hobby-Griller, wie diesen Sommer jedes Grillen ein Erfolg wird?

Oft genug wird das Grillen in den heimischen Gärten mit einer unfassbaren Schnelligkeit durchgezogen, aber Grillen ist keine leidige Pflicht, sondern ein entspanntes, kulinarisches Erlebnis – so sollte man das begreifen, und dafür sollte man sich Zeit nehmen: Zeit für die Planung der Speisen, für den gezielten Einkauf, für die Vorbereitung und dann natürlich für die Zubereitung und das gemeinsame Essen. Man sollte nicht die vielen „guten“ Tipps der schnellen Medien kritiklos übernehmen, denn meistens sind sie falsch oder zumindest nicht pauschal verwendbar – Grillen ist ein Handwerk, und das will erlernt sein!

Was darf für Sie persönlich auf dem Grill nicht fehlen?

Für mich braucht es meist nur ein richtig gutes Stück Entrecôte, vier bis fünf Zentimeter dick, auf keinen Fall aus dem Supermarkt, sondern von einem vertrauenswürdigen Metzger – das muss akkurat zubereitet werden, mit ordentlichen Röstaromen und einem leicht blutigen Kern – dazu ein gutes Brot, auch nicht aus dem Supermarkt, ein Salat aus guten aromatischen Tomaten und ein Gläschen Montepulciano. Das Wichtigste ist dann aber die Atmosphäre, dass die Stimmung gut ist, dass die Familie dabei ist, dass alle entspannt sind und dass der Tisch schön gedeckt ist. Ich finde, das sind wir uns wert. Haben wir mehr Zeit, bereiten wir gern noch gefüllte Pilze, gefüllte Zucchini oder ähnliches auf dem Grill zu… gern viel Gemüse und das Fleisch dann als Beilage.

Vielen Dank für das Gespräch.

1. Juni 2019