Panorama

Schummeln am Taubenschlag

Umwelt - Mit Gips-Eiern wird der Bestand der Vögel reguliert

Von Heidrun Berger

Gut 50 Tauben sitzen in den Bäumen und warten, dass ihr Haus sauber gemacht wird und Futter in die Schüsseln kommt. Dieses Bild bietet sich alle zwei Tage am Taubenwagen hinter dem Fontane-Haus. Hier wohnen die Tiere in einem ausrangierten Bauwagen.

Den Taubenwagen gibt es an dieser Stelle seit zirka sechs Jahren, zwei weitere befinden sich auf dem Hof des Grünflächenamtes an der Stargardtstraße. Hier leben an die 80 Tiere. Sinn der betreuten Taubenschläge ist es, die Population der Tauben konstant zu halten, bestenfalls zu reduzieren. Denn nicht überall sind die Vögel gern gesehen. Sie verschmutzen Bahnsteige, Gehwege und Häuser, ihr Kot ist aggressiv. Deshalb wird in den Taubenwagen eine tierfreundliche Bestandsregulierung praktiziert: Die frisch gelegten Eier werden durch Gips-Eier ausgetauscht. Nach 30 Tagen wird das Gelege entfernt.

Dieses tierfreundliche Konzept zur Reduktion der Tauben in Großstädten wird in vielen Städten eingesetzt. Es wurde 1995 als Augsburger Modell bekannt. Durch das Füttern in und um die Anlagen herum werden die Tauben von den Plätzen weggelockt, an denen sie nicht erwünscht sind. Haben sie ihr neues Quartier einmal angenommen, schlafen und brüten sie darin. Und hier können ihnen dann auch die Gips-Attrappen untergeschoben werden. „Sie bekommen das gar nicht mit“, sagt Klaus-Jürgen Gäbelein, Teamleiter der Helfer, die sich um die Taubenwagen in Reinickendorf kümmern. Sie arbeiten für C.U.B.A. (Consulting, Umwelt, Bildung, Arbeit), eine gemeinnützige Gesellschaft für Umweltschutz, die das Taubenprojekt leitet.

24. Juli 2018

Fotos: Heidrun Berger