Panorama

Die Sanddüne am Kutschi

Umwelt - Ein eiszeitliches Relikt mitten in der Großstadt

Margrith Frei Krause

Einen Steinwurf von der Bezirksgrenze von Reinickendorf entfernt, an der Scharnweberstraße 159, gibt es sie – die einzig erhaltene eiszeitliche Binnendüne von Berlin und Deutschland.  Am Tag der Stadtnatur im Juni konnten Interessierte dieses Unikat auf dem Gelände des Schul-Umwelt-Zentrums (SUZ) betreten und mehr über seine Entstehung erfahren. 

Christopher Hartl, Bezirksgruppenleiter beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) informiert: „Die 3.800 Quadratmeter große Sanddüne ist ein Ausläufer der Dünenlandschaft, die sich früher vom Gelände des heutigen Volksparks Rehberge bis nach Heiligensee ausbreitete.“ 

Seit 1976 ist die Düne ein flächenhaftes Naturdenkmal. Doch erst seit 2012 gewinnt sie dank intensiver Pflege des NABU Berlin wieder ihre ursprüngliche Gestalt. Es hatte sich ein dichter Bewuchs mit Waldkiefern, Robinien, Buchen und Brombeerranken gebildet, so dass regelrecht gerodet werden musste, um der Sanddüne wieder eine Chance zu geben. Auch 40 Zentimeter Humus und Grasnarbe mussten mühsam von Hand abgetragen werden, bis der Sand wieder zum Vorschein kam. Heute ist die wieder frei gelegte Sanddüne locker mit Waldkiefern bewachsen, dazwischen ist der Sand sichtbar sowie zartlila blühende Strand-Grasnelken und gelbe Sand-Strohblumen. 

„Wir haben Samen genommen von Pflanzen auf den Heiligenseer Dünen, sie ausgesät und später die kleinen Setzlinge ausgepflanzt“, erklärt Hartl. Die Bepflanzung wird auch noch weiter ausgedehnt, sie ist nicht abgeschlossen. Auch sanddünentypische Tiere wie der Kleine Feuerfalter, die Ödlandschrecke, die Zauneidechse sowie Wildbienen kehren nun nach und nach zurück. Auch Füchse leben auf der Düne.

Die NABU-Bezirksgruppe Mitte startete im Sommer 2011 das Projekt „Sanddüne Wedding“ und entwickelte in Abstimmung mit dem Umwelt- und Naturschutzamt Mitte und dem SUZ ein langfristig angelegtes Konzept für ehrenamtliches Umwelt- und Naturschutzengagement vor Ort. „Immer wieder müssen nachwachsende Giersch-, Brombeer- und Robinienschösslinge entfernt werden, damit die Sanddüne erhalten bleibt“, erläutert Christopher Hartl. Ein flächenhaftes Naturdenkmal muss gepflegt werden, um ein solches zu bleiben, es ist kein Naturschutzgebiet, in dem alles der Natur „überlassen“ wird. 

Die AG Sanddüne Wedding freut sich über Interessierte, die dabei helfen,  die Renaturierung weiter voranzutreiben und die Sanddüne zu erhalten. 

Termine und Informationen gibt es auf www.nabu-berlin.de. Wer die Sanddüne besichtigen möchte, kann sich ebenfalls auf der genannten Internetseite über geplante Führungen informieren. Das Gelände ist nicht frei zugänglich.

24. Juli 2018

Foto: Margrith Frei Krause