Essen & Trinken

Pizza Napoli aus dem Kiez

Bella Cucina von Familie Giannini

von Bernd karkossa

Wer glaubt, eine gute Pizza gibt es nur im italienischen Restaurant frisch aus dem Holzofen, der hat Recht und liegt dennoch nicht ganz richtig. Die Familie Giannini beweist, dass man auch mal in die Tiefkühltruhe langen, eine Pizza aus ihrem Hause in den eigenen Herd schieben und wenige Minuten später ein Geschmacks-
erlebnis vom Feinsten erleben kann. Andrea Giannini, seine Frau Margareta und die beiden Söhne Ermanno und Vincent stehen mit ihrem an der Holzhauser Straße 142a angesiedelten Unternehmen gia-Pizza für neapolitanische Pizzatradition, die einzigartig im Tiefkühl-Segment ist.

Bei einem Rundgang durch den ehemaligen Aldi-Markt, in dem seit drei Jahren rund 50 Mitarbeiter auf 100 Quadratmetern Tag für Tag aus 2,5 Tonnen Teig 20.000 Pizze, Focaccie und andere Produkte produzieren, erfährt man allerlei Wissenswertes. Die Tomatensauce kommt aus Umbrien und ist qualitativ hochwertig. „Die Tomaten werden vor dem Pürieren sogar entkernt“, sagt Ermanno. 

40 Prozent des Umsatzes wird mit Bio-zertifizierten Produkten erwirtschaftet, die gesamte Palette umfasst rund 250 Produkte. Das geht mit dem nackten Teig als Kugel los, den Gastronomen ordern, um ihn selbst zu formen und zu belegen, es gibt ausgerollten Teig, mit oder ohne Tomate, groß oder kleiner oder auch voll belegt, dann für den Einzelhandel bestimmt. gia hat Verträge mit der Bio Company, Alnatura und mit Rewe, auch die Filiale Görse am Eichborndamm hat gia-Produkte im Sortiment.

Ein gesunder Sauerteig macht den Teig locker und neapolitanisch fluffig. „Wir verwenden ausschließlich Biga, einen selbst gemachten Natursauerteig“, sagt Vincent. „Sauerteig garantiert den typischen, aromatischen Geschmack, eine optimale Frische durch verzögerte Austrocknung und keinen Qualitätsverlust durch die Tiefkühlung. Wir verzichten auf Reisstärke, Aromen, Glutamat, Verdickungsmittel, Emulgatoren und andere Zusatzstoffe, die Allergien und andere Unverträglichkeiten hervorrufen können.“ Perfekt wird der Teig durch das Zusammenspiel von Temperatur, Zeit und der Verwendung der richtigen Mehlsorten.

Gerade ist Pizza Pomodoro an der Reihe, ein Laufband befördert die Teiglinge in einen 420 Grad heißen Tunnel-Steinofen, den sie in eineinhalb Minuten durchlaufen. Damit ist die Pizza zu 75 Prozent vorgebacken. Nach der Belegung per Hand werden die Pizze bei minus 20 Grad eine halbe Stunde lang schockgefrostet, dann verpackt. Zum Belag: gia verwendet nur frische Zutaten. Die Champignons kommen nicht aus der Dose, sondern werden im Betrieb selbst geschnitten. Die Gianninis kennen sich eben aus mit Pizza. Der aus Nola bei Neapel stammende Andrea kam 1967 nach Berlin, heiratete die Reinickendorferin Margareta. 1996 eröffneten sie ein Restaurant in Borsigwalde, 1999 das Ristorante Giannini in den Borsighallen, das sich über Reinickendorfs Grenzen hinaus einen Top-Ruf erwarb. Zur Fußball-WM 2006 belieferten die Gianninis die Fanmeile am Breitscheidplatz, daraus entwickelte sich immer mehr. Alle sind beteiligt, Mama Margareta ist für die Finanzen zuständig, Papa Andrea für den Maschinenpark und den Einkauf, Vincent für die Produktion, Ermanno für den Vertrieb.

Das Beste kommt dann zum Schluss, die Verkostung. Die Pizze sind ein Gedicht, der Teig schmeckt super. Wer es ausprobieren möchte: gia-Pizza bietet an seinem Standort an der Holzhauser Straße 142 a auch einen Werksverkauf an. Zu sehr erschwinglichen Preisen. 

4. September 2018

Foto: privat