Kultur & Freizeit

Ein Kämpfer für die Kunst

Der Gründer und Leiter des Künstlerhofs Frohnau ist gestorben

Von Christiane Flechtner

Am 10. Mai ist Dieter Ruckhaberle im Alter von 79 Jahren gestorben. Die Stadt und der Bezirk Reinickendorf haben Dieter Ruckhaberle, der 1938 in Stuttgart geboren ist, viel zu verdanken. Als Gründer der Freien Galerie 1963 in der Kurfürstenstraße stellte er bereits Künstler wie Horst Antes und Georg Baselitz aus. 

17 Jahre war er Direktor der Staatlichen Kunsthalle Berlin im Bikini-Haus an der Gedächtniskirche und prägte mit seinen Ausstellungen und Ideen die Berliner Kunstlandschaft. Er war Leiter zahlreicher Künstler-Workshops, unter anderem in Sao Paulo und Rio de Janeiro, und Mitbegründer des Neuen Berliner Kunstvereins und der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst, die heute für Berlin eine wichtige Plattform für Künstlerinnen und Künstler darstellen. 

Nicht vergessen ist sein Engagement für die Rettung des Martin-Gropius-Baus als damaliger Kunstamtsleiter in Kreuzberg. Auch die Druck- und Bildhauerwerkstätten im Haus Bethanien und im Wedding wurden durch seinen Einsatz realisiert. 

Zeit seines Lebens war Dieter Ruckhaberle ein Fürsprecher der Künstler, der sich nicht nur für ihre Kunst interessierte, sondern auch für ihre gesellschaftliche Anerkennung und Lebensbedingungen. Sein Engagement in der Kulturpolitik und sein kompromissloser Einsatz für die Kunst machten es ihm nicht immer leicht.


Der Künstlerhof wurde zum Rückzugsort

In Reinickendorf macht er sich vor allem durch die Gründung des Künstlerhofs in Frohnau verdient. Das ehemalige Krankenhaus und Lazarett im Wald zwischen Frohnau und Stadtgrenze ist ein kreativer Ort für Künstlerinnen und Künstler geworden, an dessen Gründung, Aufbau, Fortbestand und Weiterentwicklung Dieter Ruckhaberle maßgeblich beteiligt war. 

Der Künstlerhof wurde ab 1998 zu seinem Rückzugsort, wo er sich verstärkt auf seine Ursprünge besann. Eigentlich war Dieter Ruckhaberle Maler. Er studierte in Stuttgart an der Kunstakademie, später bei Max Kaus an der Hochschule der Künste Berlin. In Frohnau und an seinem zweiten Wohnort in Brasilien entstanden große Bilderzyklen, Porträts und Landschaften, wobei er sich in seinem Kunstschaffen nie auf gegenständliche oder abstrakte Malerei festlegte. 

2013 erhielt er die Humboldt-Münze in Anerkennung seines jahrzehntelangen Engagements für die Kulturarbeit in Reinickendorf. Kulturstadträtin Katrin Schultze-Berndt sagte bei der Überreichung vor fünf Jahren: „Dieter Ruckhaberle ist ein Künstler, in dessen Geschichte sich fast 40 Jahre Berliner und Reinickendorfer Kulturpolitik widerspiegeln.“ 

Anlässlich seines Todes würdigte sie ihn abschließend. „Mit Dieter Ruckhaberle verlieren wir einen engagierten Kämpfer für die Kunst und die Künstlerinnen und Künstler. Sein Wirken hat die Kunstszene als Kulturschaffender und Künstler in Berlin und Reinickendorf nachhaltig beeinflusst“. 

30. Mai 2018

Foto: C. Bachmann