Soziales & Familie

Ziel ist die Re-Integration

Autismusklassen bereiten auf den Regelschulbetrieb vor

Von Christian Horn

Auf der Mittelinsel im Dorfkern von Alt-Lübars steht, hinter der Kirche, die Dorfschule Lübars. 1820 erbaut beherbergt das Gebäude heute die „Autismusklassen in Lübars“, eine Filiale der Lauterbach-Schulen. Seit dem Schuljahr 2015/16 werden in dem altehrwürdigen und charmanten Dorfschulhäuschen inzwischen drei Klassen mit je sechs Kindern unterrichtet. Alle Schüler leiden unter einer Autismus-Spektrum-Störung – gemeinhin als Autismus bekannt.

„Die medizinischen Unterscheidungen zwischen frühkindlichem Autismus, Asperger oder atypischem Autismus sind letztlich nicht so wichtig. Es reicht zu verstehen, was die dem Autismus zugrunde liegende schwere Wahrnehmungsverarbeitungsstörung mit den Kindern macht“, erklärt Birgit Plachy vom Schulpyscholgischen und Inklusionspädagigischen Beratungs- und Unterstützungszentrum SIBUZ in Reinickendorf. Sie hat die Gründung der Autismusklassen in der Dorfschule mitinitiiert und begleitet und betreut die Schule seitdem.

„Das Ziel ist immer die Reintegration der Kinder in den Regelschulbetrieb“, sagt Birgit Plachy. Eine kürzlich durchgeführte Evaluation belege einen sehr guten Erfolg dabei, führt Birgit Plachy aus. „Manche Kinder können schon nach einem Jahr bei uns zurück in den Schulbetrieb, andere bleiben bis zu drei Jahre hier. Viele von unseren Schülern können danach noch das Abitur schaffen.“

An der Schule lernen die Kinder Strategien, wie sie mit Überforderungssituationen besser umgehen können. Typischerweise Geräusche und Gerüche, aber auch taktile Empfindungen können einen „Overload“ hervorrufen, der die Empfindungen ins Schmerzhafte verzerrt und Aggression oder Rückzug auslöst. „Bei allen Autisten liegt zudem eine soziale Störung vor. Es gelingt ihnen beispielsweise nicht selbstverständlich, die einfachsten Verhaltensregeln zu verstehen“, berichtet Birgit Plachy und erzählt schmunzelnd eine Anekdote, als ein Schüler auf ihre Frage, ob er ihr die Tür aufmachen könne, trocken erwidert habe, sie solle das selbst machen, sie habe ja zwei gesunde Arme.

Es ist ganz offensichtlich, die Schule und ihre besonderen Kinder liegen ihr am Herzen. „Wir sind sehr glücklich hier, in der Dorfschule.“ Die Räume im Schulhaus sind schlicht und klar eingerichtet – Autisten lieben Strukturierung – und die Ausstattung ist übersichtlich. Der Bezirk hat gerade den Garten saniert, und sonst steht auch alles zum Besten, sagt sie und meint damit vor allem das Team von Lehrern und Betreuern, die mit Geduld, Verstand und Feingefühl mit den Kindern arbeiten.

„Wir haben aber auch einige Wunschprojekte, die über die Senatsausstattung der Schule hinausgehen, für die Kinder aber sehr hilfreich und heilsam sein wären.“ Vom therapeutischen Reiten – die Reiterhöfe von Lübars liegen um die Ecke – über Judostunden bis hin zu Kunst- und Musikprojekten will der „Förderkreis für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen e. V.“ die Arbeit in der Dorfschule mit Mitgliedschaft und Spenden unterstützen. Interessierte können sich bei Birgit Plachy unter der E-Mail-Adresse foerderkreis-autismus@web.de melden. 

30. Mai 2018

Foto: Christian Horn