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Der ganze Kiez auf einer Karte

Gewerbekarte des Auguste-Quartiers vorgestellt

Von Bertram Schwarz

Reinickendorf – Die schon gefüllten Sektgläser sollen nicht auf das Foto und werden schnell noch zur Seite gestellt. Obwohl das Gewerbenetzwerk „Wir für Euch“ durchaus etwas zu feiern hat. Das ganze Jahr 2018 arbeiteten 100 Gewerbetreibende und viele Anwohner an der bunten Karte. Jetzt liegt der Plan mit 72 Eintragungen für den Auguste-Kiez an der Scharnweberstraße vor. Von der Fahrschule Sevim bis zur Stadtteilbibliothek Reinickendorf West ist alles eingetragen, was es zwischen der Waldstraße und der Scharnweberstraße gibt. Die Karte wurde in einer Auflage von 10.000 Stück gedruckt und liegt im Kiez für seine 22.500 Einwohner aus. 

Stolz haben Lea Ouardi, Torsten Wiemken (beide von LOKATION:S) und Quartiersmanager Sebastian Bodach das Ergebnis der Öffentlichkeit in der Fleischerei Rabe an der Scharnweberstraße präsentiert. Lea Ouardi sprach von der „Profilierung des Standortes“. Jeden Monat setzten sich Anwohner und Gewerbetreibende zusammen, planten Nikolausaktionen oder Sommerfeste und sammelten die Informationen für die Gewerbekarte. Ouardi betonte, dass die Hälfte der Kosten für die Darstellung des Quartiers von den Gewerbetreibenden aufgebracht wurde und die andere Hälfte aus „Projektmitteln der sozialen Stadt“.

Die sonstige Arbeit der Aktiven im Kiez wird von der Europäischen Union, dem Bund und dem Land Berlin finanziert. So stehen aus dem Aktionsfond jährlich 10.000 Euro für Nachbarschaftsfeste, Pflanzungen im öffentlichen Raum und weitere „kleinteilige Maßnahmen“ zur Verfügung. Für größere Projekte kann auf 280.000 Euro zurückgegriffen werden. Sebastian Bodach berichtete, dass aus dem Baufond die notwendigen Mittel für die „Klix-Arena“ 2019 bereitgestellt würden. Entstehen werde ein Bolzplatz an der Zobeltitz­straße. Auch solle die Online- Präsenz des „Ortsteilzentrums“ im laufenden Jahr ausgebaut werden.

Bodach will „das Gebiet voranbringen“. Er hat bei anderen Projekten in Berlin Erfahrungen gesammelt und äußert sich besonders positiv über den Quartiersrat, in dem Anwohner und Gewerbetreibende ehrenamtlich die vorgeschlagenen Projekte sichten und bewerten. Der Quartiersrat im Auguste-Kiez sei das größte Gremium dieser Art in der Stadt und spreche für das Engagement der Anwohner und Gewerbetreibenden für ihr Viertel.

Torsten Wiemken weiß aber auch, dass nicht alles zum Besten bestellt ist. Mit dem immer weiter um sich greifenden Online-Handel verändere sich das Bild der Einkaufsstraßen und damit die Nahversorgung der Anwohner. Viele kleine Geschäfte müssten gegen die Konkurrenz von Amazon und Co. aufgeben und hinterließen Lücken im Straßenbild. In diese würden unter anderem Glückspiel-Kasinos stoßen, „mit denen wir nicht zusammenarbeiten wollen“, sagte Wimken. „Sie tragen zur Abwertung der Straßen bei“ setzte er kritisch nach und verweist auch auf Beispiele im Auguste-Kiez. 

Zum nahen Flughafen Tegel äußern sich die Stadtverbesserer verhalten. Zu ungewiss sei das Schicksaal der Großbaustelle am anderen Ende der Stadt. Auch an diesem Abend setzen die Flugzeuge auf Höhe der Kneipe „Einflug“ an der Scharnweberstraße zur Landung an. Sollte Tegel eines Tages den Flugbetrieb schließen, soll auf der anderen Seite der Autobahn das Schumacher-Wohnquartier für 10.000 Menschen gebaut werden. Auf Nachfrage heißt es, die Meinung im Auguste-Kiez sei gespalten, ob dann die Sektgläser geschwungen oder doch wieder beiseitegelassen werden. bs

16. Februar 2019

Bild: Sebastian Bodach, Torsten Wiemken und Lea Ouardi (v. l.) - (c) Bertram Schwarz