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Titelthema

Lebens-Energien neu aufladen

Wie Qi Gong blockierte Kraftströme wieder ins Fließen bringen kann

Von Harald Dudel

Schloss Schönhausen Samstagvormittag am Regendachpilz. Bei strahlendem Sonnenschein imitieren rund 20 Männer und Frauen vorwiegend mittleren Alters hier Bären, Tiger und Affen. Eine Muppet-Show für jung gebliebene Freiluftfans? Nein, präzise Übungen, die der Einfachheit halber mit populären Tiernamen bezeichnet werden und zu denen Lehrerin Dr. Kuan-Wu-Lin „Jasmin“ an diesem Septembertag anlässlich des internationalen Qi Gong-Tags ausnahmsweise in den Nachbarbezirk geladen hat. Lis Teilnehmer stammen vorwiegend aus ihren Volkshochschulkursen in Reinickendorf. Zum Andenken an den chinesischen Heiler Hua Tuo findet der von der International Health Qi Gong Federation (IHQF) initiierte Tag im September jedes Jahres statt. Zelebriert wird eine uralte Technik, die laut chinesischer Überzeugung das Qi, sprich die vitale Energie im Körper, zum Fließen bringt. Wie alle der über zirka 400 Qi Gong-Varianten arbeitet es mit Körper-, Atem- und Geist-Übungen, um die Funktionskreise von belasteten Organen wie Herz oder Lunge effektiv zu regulieren.

Das System der Übungen nimmt Bezug auf die Idee, dass wir – und vor allem wir Westler – durch modernes Leben und Bewegungsarmut unseren vitalen Kraftfluss ständig blockieren. Daran anknüpfend lehrt die Dozentin ein modernes Qi Gong-System, das an der Beijinger Sportuniversität zur Aktivierung selbstheilender Kräfte entwickelt wurde. In diesem Jahr stellt die IHQF „Das Spiel der fünf Tiere“ in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Hier verkörpern die Übenden die Impulsivität des Tigers, die Entspanntheit des Hirschen, die Standhaftigkeit des Bären, die Flinkheit des Affen sowie die Leichtigkeit des Kranichs. Dafür drehen, dehnen und beugen sich die Teilnehmer.

So wie Günther, der seit zehn Jahren Qi Gong praktiziert und dem man seine 75 Jahre absolut nicht ansieht. Er erfährt dabei, dass dieses Training „unheimlich viel hilft“, um sich selbst zu konzentrieren. Darüber hinaus findet er Entspannung bei der weichen, fließenden Atmung. Ähnlich ergeht es Einsteigerin Heike. Die Mittvierzigerin ist erst seit einem Monat dabei und fühlt in diesem Kreis pudelwohl. Insgesamt sind deutsche Kursteilnehmer laut Lehrerin Jasmin ein gewissenhaftes und engagiertes Publikum. Sie hinterfragen den Stoff, können bei den Übungen aber auch Spaß entwickeln. Dazu tragen sicherlich auch die liebevollen Vorbereitungen der Dozentin und besonders engagierte Teilnehmer bei.

Interesse bekommen? Weitere Infos unter Telefon 90294-4800 sowie auf www.berlin.de/vhs/volkshochschulen/reinickendorf

3. Oktober 2019