Titelthema

Wie RoboDoc den Schnitt verfeinert

Roboter unterstützen Chirurgen im Humboldt-Klinikum mit größter Präzision

Von Harald Dudel

Schneid hat er, der neue Kollege. Kein Wunder, er gehört zum Chirurgenteam; nur, dass er auf keiner Gehaltsliste steht, denn er ist Roboter und tut Dienst im Humboldt-Klinikum in der chirurgischen Koloproktologie – also in der Klinik für die Enddarmregion. Chefarzt Dr. med. Skander Bouassida (auf unserem Foto vorn) und Oberarzt Dr. med. Till Lunenburg erklären, wozu dort Roboter dienen. 

Zugegeben, die Bezeichnung Roboter ist zwar griffig, aber insofern etwas irreführend, als dass auch bei der Roboter-assistierten Chirurgie niemals das Elektronenhirn, sondern weiterhin der Arzt das Sagen hat – dabei aber wertvolle Unterstützung von der Maschine erhält. Die überträgt Finger- und Hand-Bewegungen des Operateurs, der mit vergrößerter 3D-Sicht in einer Cockpit-ähnlichen Konsole sitzt, präzise auf vier Roboterarme. Deren Aufsätze sind kleiner und beweglicher als Menschenhände. Sie halten, spreizen, drehen und schneiden mit teils filigranen Instrumenten. Ermüdungs- und zitterfrei wird auch bei mehrstündigen Operationen die Präzision offener OP-Verfahren erreicht, ohne dass dabei ein großer Gewebeschnitt angelegt werden muss.

Besonders geeignet ist das System für „minimalinvasive Eingriffe“ im Bauch- und Beckenraum. Auf diese Weise ist eine Reihe von proktologischen und urologischen Operationen möglich. So lassen sich gezielt Krebsgeschwüre herausschneiden, die noch vor Jahren als unheilbar galten. Und selbstredend ist die Lebensqualität höher, wenn die Funktionalität natürlicher Körperöffnungen erhalten bleiben kann. Die zugewandte Art, mit der die Ärzte mit ihren Patienten kommunizieren, zeigt, dass immer noch der Mensch im Mittelpunkt steht. So bleiben die Erfolge nicht aus. „Wir konnten im Rahmen eines Audits zum Kompetenzzentrum nachweisen“, so Chefarzt Bouassida, „dass unsere Komplikationsrate weit unter dem bundesweiten Durchschnitt liegt.“ 

Wegbereiter der neuen Technik waren die Vivantes Kollegen der Klinik für Urologie unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Steffen Weikert als führendem Roboter-Chirurgen. Sie verfügen seit Jahren über ein modernes Robotersystem, das bei Prostatakrebs und der Entfernung von Nierentumoren heute das modernste OP-Verfahren darstellt. Außerdem kommt diese Technik in der Gynäkologie zum Einsatz. Somit hat sich das Vivantes Humboldt-Klinikum zu einem interdisziplinären Zentrum für Roboter-assistierte Chirurgie entwickelt. Infos: Tel. 130 122 402, Termin-Wartezeiten vier bis sechs Wochen.

7. März 2019

Bild: Harald Dudel