Soziales & Familie

Richtig coole Hilfe

Von Hitzebussen und Kühlschränken für obdachlose Menschen

Von Celine Fink

Reinickendorf/Berlin – Die Sozialgenossenschaft Karuna mit Sitz an der Hausotterstraße in Reinickendorf-Ost hat ein weiteres Hilfsangebot für Obdachlose auf die Beine gestellt: Entsprechend der Jahreszeit handelt es sich um Hitzebusse. 

Sobald die Temperaturen auf über 30 Grad steigen, bauen Mitwirkende des Netzwerks den so genannten „Karuna Sub“ um (die RAZ berichtete über deren Start im Mai) und versuchen so, den Obdachlosen zu helfen: Betroffenen fehlt es oft an Wasser, nicht nur zum Trinken, sondern auch zur Körper­hygiene – ebenso an kühlem Zufluchtsraum.

Dazu hat sich die Initiative mit den Berliner Wasserbetrieben zusammengetan und eine Trinkwasserzapfsäule organisiert. Dort können die Mitarbeiter die Busse mit kühlem, frischem Nass auffüllen. An den Orten Berlins, an denen sich die meisten Wohnungslosen aufhalten, wird alles dann in Flaschen abgefüllt und an die Bedürftigen verteilt. 

Bei über 35 Grad lassen die Mitarbeiter von Karuna ihre anderen Arbeiten sogar komplett ruhen und konzentrieren sich voll und ganz auf die teils lebensrettende Aufgabe. Täglich gehen dabei 400 bis 500 Liter durch die Bustüren. 

„Die Hitze ist schlimmer als die Kälte im Winter“, sagt Karuna-Geschäftsleiter Jörg Richert im Gespräch mit der RAZ. Die Rekordtemperaturen forderten weitaus mehr Opfer als Eis und Schnee. Aber: Nicht nur die Sozialarbeiter könnten helfen – auch alle anderen seien gefragt. Speziell in Reinickendorf gelte es, die Eigeninitiative von Norbert Raeder zu unterstützen. 

Angesichts der aktuellen Notlage hat der Politiker und Kneipenwirt einen Kühlschrank vor seiner Gaststätte Kastanienwäldchen an der Residenzstraße aufgestellt. Randvoll mit Getränken ermöglicht er Bedürftigen, ihren Durst zu stillen. 

Um Menschen ohne festen Wohnsitz zu unterstützen, ist also vor allem Solidarität wichtig. „Karuna appelliert an die Bürgerinnen und Bürger, beim Verlassen des Hauses eine Flasche Wasser mitzunehmen und diese Flasche einem Obdachlosen zu schenken“, betont der Regierende Bürgermeister Michael Müller. Auch dünne Langarmshirts, Mützen und Regenschirme würden laut Jörg Richert als Sonnenschutz benötigt. Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 oder mehr wäre eine weitere Spende, die den Sommer für Wohnungslose erträglicher macht. Dabei sei insbesondere Spray sehr beliebt, da es oft schmerzhaft sei, Creme auf die manchmal bereits verbrannten Hautstellen aufzutragen. Die Karuna Sozialgenossenschaft arbeitet bereits an langfristigen Plänen; im Frühherbst soll es einen Runden Tisch zum Thema Hitzehilfe geben. Das Ziel: eine berlinweite Lösung für Obdachlose während der heißesten Monate des Jahres. cf

12. August 2019