Soziales & Familie

„Schon wieder angerempelt in der Bahn“

Schüler der Jean-Krämer-Schule drehen Kurzfilm über Ungerechtigkeiten im Alltag

Von Anke Templiner

„Fertig zur Aufnahme“, „Kamera läuft“ – Vasilena sammelt sich noch kurz, schaut in die Kamera und beginnt davon zu erzählen, wie sich in der S-Bahn jemand extra von ihr wegsetzt, als ob sie ansteckend wäre. Majid berichtet bei seiner Aufnahme, wie er regelmäßig von der Polizei kontrolliert wird, Batu erzählt – erst etwas unsicher und dann ganz klar – wie ihre Familie für eine Wohnung sehr viel Geld an einen Makler zahlen und dann noch renovieren musste. Und Nilofar beschreibt, dass ihr Bruder alles machen darf, was er will,  und sie nicht. Alle vier lernen in einer Willkommensklasse an der Jean-Krämer-Schule und erzählen vor der Kamera von den Ungerechtigkeiten, die sie in ihrem Alltag erleben. 

Aufgenommen werden ihre Geschichten und die der anderen Schüler für einen Kurzfilm, den die Klasse möglichst am Ende des Tages fertigstellen will. Unterstützt werden sie dabei von Kathe­rina Waisburd und Leska Rupert. Die beiden jungen Filmemacherinnen sind vom Verein für inklusive Medienbildung e.V., der den Kurzfilmwettbewerb „janz schöön ungerecht“ organisiert. 

Bei diesem inklusiven Schüler-Kurzfilmwettbewerb sind Schüler von der 7. bis zur 10. Klasse aus Berlin und Brandenburg aufgerufen, zum Thema Ungerechtigkeit im Alltag einen kurzen Film zu produzieren und bis zum 15. Juni an die Jury zu schicken. Diese prämiert die zehn besten Filme. Alle Filme werden auf YouTube und bei Alex TV gezeigt. 

Wie aus Ideen ein Drehbuch entwickelt wird, wie Filme gedreht und geschnitten werden, kann ein Schulteam entweder alleine ausprobieren oder sich professionelle Unterstützung holen, indem es sich für einen kostenlosen Workshop bewirbt. Das hat auch die Willkommensklasse aus der Jean-Krämer-Schule getan. 

Irgendwann brachte die Klasse den Flyer für den Kurzfilmwettbewerb in den Unterricht mit. Andrea Küpper und Andreas Gehrmann, die beide in der Klasse am häufigsten unterrichten, griffen das Engagement ihrer Schüler auf und bewarben sich für einen begleitenden Workshop. 

Am 24. April war es dann soweit: Leska Ruppert und Katherina Waisburd brachten nicht nur das passende Equipment zum Drehen und Schneiden mit, sie halfen auch dabei, die Geschichten der Schüler dramaturgisch aufzubereiten und in eine Art Drehbuch umzusetzen. Besonders wichtig war es, die Schülerinnen und Schüler immer wieder zu ermuntern, wenn es bei der ersten Aufnahme noch nicht perfekt klappte. 

Die Schüler der Willkommensklasse, die – wie Andrea Küpper später noch erzählt – eigentlich „Sprachlernklasse“ heißt, kommen aus Willkommensklassen verschiedener Reinickendorfer Schulen und lernen seit diesem Schuljahr zusammen. Diese Klasse ist ein Pilotprojekt, das das Schulamt Reinickendorf vor vier Jahren initiert hat. Ziel ist, dass die Schüler, die altersmäßig in der 9.  Klasse sind, ihre Deutschkompetenz nachweisen und die erweiterte Berufsbildungsreife (eBBR) ablegen.  Ein Schritt, der sie diesem Ziel näherbringt, ist sicherlich auch dieses Projekt. Und vielleicht überzeugt ja auch ihr Film. 

Weitere Informationen zum Schüler-Kurzfilmwettbewerb unter www.janz­-schoen-anders.de

12. Mai 2018

Foto: Anke Templiner