Soziales & Familie

Eine Familie macht Zeitung

Die Klons produzieren mit Erfolg das polnische Monatsmagazin „Kontakty“

Von Bernd Karkossa

Heiße politische Eisen fassen sie nicht an. „Das sollen andere machen“, sagt Izabela Klon-Dziagwa. „Wir berichten über Kulturelles, über Feste und Events. Über polnische Traditionen. Wir geben auch Kochtipps und schreiben, wie man Bigos richtig zubereitet. Junge Polen wissen das ja teilweise gar nicht mehr.“ Izabela Klon-Dziagwa ist die Chefredakteurin der Zeitschrift „Kontakty“, aber sie ist nicht die einzige der Familie Klon, die sich für die deutschlandweit auflagenstärkste Zeitschrift in polnischer Sprache engagiert.

Kontakty ist ein echtes Familienunternehmen. Izabelas Eltern Marianna und Andrzej Klon sind nach wie vor die Herausgeber, ihr Bruder Tomasz Klon ist ebenfalls dabei, kümmert sich um den Vertrieb und die Anzeigenakquise. Die Klons stammen aus Loslau in Oberschlesien, nach dem Umzug nach Berlin in den 1990er Jahren eröffneten sie das erste polnische Lebensmittelgeschäft und gründeten die Zeitschrift.

Im Vorjahr gaben sie das Lebensmittelgeschäft auf, und die Redaktion zog von  Charlottenburg nach Reinickendorf um. Seitdem wird Kontakty an der Ollenhauerstraße 45 produziert. Jeden Monat entstehen zwischen 36 und 52 Seiten im Din-A4-Format. Hochglanz, versteht sich. Die jeweils 15.000 Exemplare werden in Polen gedruckt und dann in Berlin in Geschäften und Einrichtungen mit polnischem Bezug ausgelegt. Allein in Reinickendorf ist das Magazin an 40 Stellen zu haben. Die polnische Community ist mit mehr als 50.000 Menschen nach der türkischen Gemeinde die zweitstärkste nichtdeutsche Nationalität in Berlin. Zu Reinickendorf hat  Familie Klon eine ganz besondere Beziehung, schließlich lebt sie seit inzwischen 20 Jahren im Märkischen Viertel. Und Tomasz Klon engagiert sich zusätzlich in der CDU Wittenau, er ist stellvertretender Ortsvorsitzender. „Politik und Geschichte, das war schon immer meins“, sagt er. Also doch Politik, aber nicht in der Zeitschrift. Privat jedoch kann man mal über die politischen Verhältnisse in Polen sprechen. „Ich hoffe“, sagt Tomasz, der in Berlin und Shanghai ein Studium zum International Business Master absolviert hat, „dass die Opposition bei den Landtagswahlen im Herbst Boden gut macht.“

Kontakty ist völlig unabhängig, „wir wurden weder von polnischen oder deutschen Behörden oder Parteien unterstützt.“ Finanziert wird das Magazin rein aus Anzeigen, und davon gibt es reichlich. Das Magazin unterstützt den Reinickendorfer Sportverein FC Polonia, kürzlich sponserte Kontakty einen Satz T-Shirts. Am 19. Mai richtet der Verein ein Fest in Tegel an der Berliner Straße 71 aus, Kontakty ist natürlich mit dabei. Die Vorbereitungen des am 27. Mai wieder vor dem Reinickendorfer Rathaus  stattfindenden Polonia-Festes laufen ebenfalls auf Hochtouren. Und am 3. Juli will die CDU Wittenau einen deutsch-polnischen Abend veranstalten, voraussichtlich im Gabriele-von-Bülow-Gymnasium.

Feste haben es den Klons schon immer angetan. Seit mehr als 20 Jahren organisieren sie den Polonia-Ball, der in den Tegeler Seeterrassen stattfindet und der inzwischen die einzige noch verbliebene Ball-Veranstaltung       in Berlin ist. Am 20. Januar waren wieder rund 500 Gäste da, und mehr als die Hälfte kam aus dem Fuchsbezirk.  

30. April 2018

Foto: Bernd Karkossa