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Bratwurst nur vom eigenen Balkon

Reinickendorf gibt es seit fast 20 Jahren keinen öffentlichen Grillplatz mehr

Von Bernd Karkossa

Bezirk – Die Sonne scheint, es ist warm, es riecht nach Flieder, Raps – und nach Bratwurst. Die Grillsaison ist eröffnet. Auf dem Flugfeld Tempelhof, im Mauerpark im Prenzlauer Berg, im Monbijoupark in Mitte, im „Görli“ in Kreuzberg. Insgesamt gibt es 17 ausgewiesene Plätze in Berlin, sie sind aufgelistet auf der Internetseite der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

In Reinickendorf steigen Rauchschwaden vom Holzkohlengrill allenfalls aus dem eigenen Garten oder vom Balkon in den Himmel. Wie in Steglitz-Zehlendorf und in Spandau gibt es keinen öffentlichen Grillplatz. In öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen ist Grillen nach dem Grünanlagengesetz verboten. Es gibt aber Ausnahmeregelungen, auf extra ausgeschilderten Grillplätzen darf dann gegrillt werden.

Die Reinickendorfer FDP fordert schon länger eine solche Fläche auch im Fuchsbezirk, in dem Grillen auf öffentlichen Flächen bereits seit dem Jahr 2000 verboten ist. Die Partei wollte, dass ein Pilotprojekt im Kienhorstpark gestartet wird. Das Bezirksamt startete im vergangenen Frühjahr ein Interessenbekundungsverfahren, allerdings für das Betreiben einer öffentlichen Grillfläche im Freizeitpark an der Malche in Tegel. Laut Bezirksamt eigne sich das Gelände besser als der Kienhorstpark, hier hätten sich Anwohner vehement gegen eine Grillfläche ausgesprochen. „Aber niemand hat sich gemeldet“, sagte Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU). „Das Bezirksamt wird keinen öffentlichen Grillplatz in Reinickendorf einrichten.“

„Nach dem Beschluss der BVV für eine Einführung von Grillflächen zeigt das Bezirksamt keinen Willen, diesen Beschluss tatsächlich umzusetzen“, sagt David Jahn von der FDP. „Ich habe in meiner Akteneinsicht festgestellt,  dass das Bezirksamt einen Eigenbetrieb überhaupt nicht geprüft hat. Die Ausschreibung des Bezirksamtes war zudem nahezu unbrauchbar. Zudem hat die Stadträtin die Kosten künstlich in die Höhe getrieben, welche einen Betrieb durch einen Privaten unwirtschaftlich gemacht hätten. Andere Bezirke sind deutlich preiswerter im Betrieb.“

Jahn weiter: „Mir ist auch klar, dass an Grillflächen Müll entsteht. Darum müssen ausreichend Mülleimer vorhanden sein, regelmäßig Reinigungen stattfinden und die Nutzer über Hinweisschilder aufgeklärt werden. Ohne die Grillflächen findet derzeit illegales Grillen, etwa auf der Lübarser Höhe, statt“, sagt Jahn. Erst kürzlich gab es einen Schilfbrand am Schäfersee. Als Verursacher kamen auch illegale Griller in Betracht.

2. Mai 2019