Ein Bild der Verwüstung auf dem Gelände des Pferdehofes Gericke in Lübars nach dem Brand (Bild: Melanie von Orlow)

Panorama

„Im Unglück ein Riesenglück!“

Welle der Hilfsbereitschaft für Lübarser Familie Gericke

Von Melanie von Orlow

Lübars - Ein Bagger greift in die verkohlten Reste versengter Bäume und lässt sie in den Container poltern. Glasscherben glitzern auf dem Boden als letzte Erinnerung an die beiden großen Gewächshäuser, die hier einst standen. Die Werkstatt mit ihrem Inventar wie auch ein Traktor, der wegen eines zur Reparatur ausgebauten Reifens nicht mehr rechtzeitig weggefahren werden konnte, wurden ein Raub der Flammen. 

Axel Gericke, Landwirt und Namensgeber des Pferdehofes in Lübars, ist immer noch fassungslos beim Erinnern daran, wie schnell die beiden Gebäude am 29. Juli ein Raub der Flammen wurden. Sie dienten schon seit Jahren der Lagerung von Stroh, das für die Versorgung der bei ihm untergebrachten Pferde benötigt wird. In der Mittagspause fing es im Türbereich aus bisher ungeklärter Ursache an zu brennen. „Ich persönlich gehe von einer Glasscherbe aus, die wie ein Brennglas wirkte.“ mutmaßt Axel Gericke. Die doppelte Spezialverglasung der Gewächshäuser sei dazu nicht in der Lage gewesen.

Um die Glutnester zu beseitigen, wurde das Stroh von der Feuerwehr auf einer Weide ausgebreitet und gewässert. Nun klaubt die Familie verkohltes Holz aus den mit Glas und Metall verunreinigten Heubergen, um es in die Container zu werfen. Die Reste, so hofft die Familie, kann die Müllverbrennungsanlage der Berliner Stadtreinigung übernehmen. „Zum Glück waren die Boxen leer!“, betont Axel Gericke. So kamen keine Pferde zu Schaden. 

Ein Nachbar, der bei der Freiwilligen Feuerwehr in Blankenfelde mitarbeitet, habe sofort erkannt, dass dies ein großes Feuer sei und gleich dafür gesorgt, dass mehr Einsatzfahrzeuge alarmiert wurden. Die ganze Nacht wurden die Gewächshäuser mit dem Radlader beräumt und erst am Vormittag des Folgetages wurde der Einsatz beendet. „Die haben wirklich toll gearbeitet!“, lobt Axel Gericke die Feuerwehren und die vielen Nachbarn, die mit angepackt hätten. Eine Nachbarin habe einen Getränkestand für die Feuerwehrleute aufgebaut, andere brachten Kuchen und kümmerten sich um die Mobiltelefone der Familie, die durch den Stromausfall auf dem Hof nicht mehr geladen werden konnten. Andere halfen mit Schläuchen und bewässerten die Dächer der angrenzenden Gebäude, damit das Feuer nicht überspringen konnte.

Am nächsten Tag meldeten sich Landwirte und boten Radlader, Pferdeboxen und Transportmöglichkeiten an, um der Familie unter die Arme zu greifen; selbst entfernte Bekannte, die von dem Unglück gehört hatten, boten Stell- und Lagerplätze an. Für diese Welle der Hilfsbereitschaft möchte sich die Familie bedanken – sie seien überwältigt von der Unterstützung.

Über die Höhe des Schadens möchte Axel Gericke noch nicht einmal nachdenken – der Traktor sei versichert gewesen, doch für die Gewächshäuser wird keine Versicherung einspringen. Doch der Betrieb könne weitergehen und weder Mensch noch Tier sind zu Schaden gekommen. „Im Unglück hatten wir ein Riesenglück!“, schließt Axel Gericke das Gespräch.

30. August 2019