Panorama

Schule (nicht) geschwänzt

Recht Ehrlichkeit zahlt sich nicht immer aus

Von Anja Jönsson

Bezirk – Pflichtbewusste Eltern wissen um die Schulpflicht ihrer Kinder. Ausnahmen gehören bekanntlich zur Regel. Ausnahmen können aber, wenn sie nicht genehmigt werden, Eltern teuer zu stehen kommen. Diese Erfahrung hat Marko Lützel, Vater eines ABC-Schützen an einer Reinickendorfer Grundschule gemacht. 

Das Berliner Schulgesetz samt dessen Ausführungsvorschriften sehen vor, dass Eltern aus wichtigem Grund ihr Kind vom Unterricht befreien lassen können. Familiäre Gründe können eine Befreiung rechtfertigen. Unmittelbar vor oder nach den Schulferien ist eine Beurlaubung nur schwer möglich. Es gibt Eltern, die der Schulleitung wichtige Gründe vorgaukeln, um beispielsweise ein Urlaubschnäppchen zu ergattern, das ist kein Kavaliersdelikt und wird in einigen Bundesländern streng geahndet. Schulleiter sind daher bei der Gewährung von Beurlaubungen aus wichtigen Gründen vorsichtig. 

Marco Lützel wollte alles korrekt machen: Bereits im November 2017 reichte er bei der Schulleitung seines Sohnes einen Beurlaubungsantrag ein. Dort nannte er den runden Geburtstag der Großmutter als Grund für sieben freie Tage, die vor den regulären Winterferien lagen. Seinem Antrag wurde nicht stattgegeben. Die Familie fuhr dennoch zur großen Familienfeier nach Tschuwasien, rund 2.500 Kilometer östlich von Berlin. Pro Strecke verbringt man dafür rund 20 Stunden im Flugzeug und im Nachtzug. Kurz nach den versäumten Fehltagen erhielten die Eltern vom Reinickendorfer Schulamt einen „Anhörungsbögen zum Vorwurf einer Ordnungswidrigkeit“. 

Nach der Anhörung flatterten die per Postzustellungsurkunde zwei Bußgeldbescheide über jeweils 228,50 Euro an die beiden Erziehungsberechtigten. Zur Klärung des Sachverhalts vereinbarte Lützel einen persönlichen Gesprächstermin bei der zuständigen Sachbearbeiterin im Reinickendorfer Schulamt. Der Bußgeldbescheid gegen seine Frau wurde dort anstandslos zurückgenommen. Marko Lützel empfand das kurze Gespräch als angenehm, da die erst seit wenigen Wochen für die Ahndung von Schulpflichtverletzungen eingesetzte Mitarbeiterin Verständnis für die Fehltage und die ehrliche Vorgehensweise zeigte. 

Schließlich werden als Grund für derartige Fehlzeiten meist gesundheitliche Unpässlichkeiten vorgeschoben. Schulstadtrat Dollase erklärte Anfang des Jahres, dass Bußgelder beim Fernbleiben des Unterrichts eine Ultima Ratio bleiben müssten. 

Hier reagierte die Schulleitung auf die Ehrlichkeit der Eltern jedoch prompt. Bevor diese Form der Strafe verhängt wird, können aber auch eine Verwarnung durch die Schulleitung oder ein Zeugniseintrag auf der Liste der abgestuften Sanktionsmöglichkeiten stehen. 

28. März 2018

Foto: privat