Soziales | Familie

Wenn die Geburt zum Abschied wird

Bei einem Gottesdienst in Alt-Wittenau am Samstag, 8. Dezember, der Sternenkinder gedenken

Von Heidrun Berger

Wittenau/Bezirk – Wenn eine Schwangerschaft mit einer Fehlgeburt endet oder das Kind tot zur Welt kommt, ist die Trauer der Eltern unermesslich. Damit sie diese schlimme Zeit möglichst unbeschadet überstehen, gibt es vielerlei Hilfsangebote und Rituale. 

Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember, am Worldwide Candlelighting Day, stehen in vielen Fenstern brennende Kerzen. Eltern, die Kinder verloren haben, denken so  an ihre verstorbenen Kinder. Seit zehn Jahren gestaltet die Selbsthilfegruppe „Leben ohne Dich“ Berlin am Vorabend dieses Tages einen Gedenkgottesdienst in der Dorfkirche Alt-Wittenau. Am Samstag, 8. Dezember, können Eltern, Geschwister, Großeltern, Verwandte und Freunde ab 18 Uhr während des Gottesdienstes eine Kerze anzünden.

Sabina Stry von der Gruppe: „Die Eltern schreiben auf einen großen Engel aus Pappe den Namen des Kindes. Anschließend sitzen sie noch ein Weilchen im Gemeindehaus beisammen.“  Stry und ihre Mitstreiter von „Leben ohne Dich“ arbeiten ehrenamtlich und bieten jeden zweiten Donnerstag im Monat um 19 Uhr in den Räumen der Kirchengemeinde Alt-Wittenau kostenfreie Gruppenstunden für trauernde Eltern an. 

In der Regel wird in der Öffentlichkeit nicht viel über Fehl- und Totgeburten gesprochen, ganz besonders, wenn das Leben des Babys in ganz frühen Schwangerschaftswochen endet. Manchmal wissen die Eltern schon vor der Geburt, dass ihr Baby nur kurze Zeit leben wird, manchmal stirbt es bereits im Mutterleib oder während der Geburt. Immer ist es ein Drama, und immer noch fühlen sich Mütter und Väter allein gelassen. Doch seit einigen Jahren rückt das Thema mehr und mehr in die Öffentlichkeit. Die Krankenhäuser sind sensibilisierter; mancherorts werden die toten Babys in einen kleinen Weidenkorb, in ein so genannte Moseskörbchen, gebettet und werden beerdigt – und nicht mit dem Kliniksondermüll „entsorgt“. 

Zuvor werden sie hübsch angezogen – mit Kleidung, die in gemeinnützige Organisationen oder von Privatpersonen genäht werden. Dana Waschinsky-Wolff näht Kleidung innerhalb ihres Herzenssache e.V. Vanessa Roß fertigt Einschlagdeckchen, Strampler und kleine Nestchen unter dem Namen „SternenWutz“, und „Himmelskleider“-Gründerin Isabel Weber näht die winzige Kleidung aus einem besonderen Stoff, aus dem Brautkleid der Mutter. 

Etwa 3.000 sogenannte Sternenkinder kommen in Deutschland im Jahr zur Welt. Sie werden auch Schmetterlingskinder oder Engelskinder genannt, nicht mehr Fehl- oder Totgeburt. 

Den betroffenen Eltern bleibt nur eine kurze Zeit mit ihrem Baby, und deshalb ist es für viele umso wichtiger, die Erinnerungen an das Baby in Form eines Fotos festzuhalten. Für Eltern, die ein Erinnerungsfoto von ihrem Kind besitzen möchten, das aber selbst nicht schaffen, stehen Fotografen beim Projekt „Dein Sternenkind“ unbezahlt zur Verfügung. Man meldet sich online bei www.dein-sternenkind.eu an, und schon kurze Zeit später kommt einer der bundesweit registrierten, ehrenamtlich arbeitenden Fotografen in die Klinik und erstellt die Erinnerungsfotos. Den Eltern entstehen keinerlei Ausgaben. Es ist ein rein humanitäres Geschenk des Fotografen an die Sternenkind-Eltern. 

Die Kliniken kümmern sich in der Regel um die Bestattung. Nach einer Gesetzesänderung im Mai 2013 ist es heute möglich, Sternenkinder mit einem Gewicht unter 500 Gramm auf Wunsch der Eltern beim Standesamt zu registrieren und sie bestatten zu lassen. Jährlich oder halbjährlich werden die Urnen in einem Gemeinschaftsgrab auf einer Gemeinschaftsgrab­anlagen für die Sternenkinder beigesetzt. Bei einer Gedenkfeier können sich die Hinterbliebenen verabschieden. In Reinickendorf befinden sich solche Gräberfelder auf dem Nazareth II Friedhof, Blankestraße 12, und auf den St.-Hedwig-Friedhof, Humboldtstraße 68-73. 

6. Dezember 2018

Bild: Heidrun Berger