Umwelt

Gruseleffekt im Kienhorstpark

Büsche und Bäume wie von Geisterhand eingewebt

Von Christiane Flechtner

 Im Kienhorstpark sieht man es, und am Nordgraben oder am Flughafensee auch. Büsche und Bäume sind komplett von einem weiß-silbrigen Netz umhüllt. Doch nicht Spinnen weben das Grün ein, sondern die Raupen der Traubenkirschen-Gespinstmotte überziehen Büsche und Bäume mit Netzen. Diese weißen „Hüllen“ aus Zellulosefäden bieten ihnen Schutz vor den unterschiedlichsten Fressfeinden wie Vögeln oder Wespen. 

Die Traubenkirschen-Gespinstmotte bevorzugt – wie schon an ihrem Namen deutlich wird – Traubenkirschen. Doch sind diese nicht vorhanden, nimmt sie auch mit Pappeln, Weiden oder Obstbäumen vorlieb. 

Die Raupen fressen die grünen Blätter an einigen Büschen und Bäumen ratzekahl ab, sodass nur noch ein „trauriges Gerippe“ übrigbleibt. Aus diesem Gerippe bauen sich die Raupen nach etwa vier Wochen eine Art Behausung, um sich zu verpuppen. Wenige Wochen später schlüpfen sie als weiße Falter mit schwarzen Punkten.

Wer die Raupen frühzeitig entdeckt, kann sie absammeln. Sollten schon Gespinste an den Ästen sein, hilft nur noch, die Äste abzuschneiden und in der Mülltonne zu entsorgen. Oder aber man wartet ab: Zwar breiten sich die Gespinstmotten massenhaft aus, aber dennoch drohe keinerlei Gefahr. Da die Bäume lediglich etwa vier Wochen von den Raupen befallen sind, treiben sie danach wieder aus, und das Grün wächst nach. 

Mit zugelassenen chemischen Mitteln ist nichts auszurichten, denn die Gespinste sind so fein, dass sie kaum zu durchdringen sind. Wer in seinem Garten verhindern möchte, dass es im nächsten Jahr erneut „gespenstisch“ aussieht, sollte die natürlichen Feinde der Gespinstmotte fördern, und das sind vor allem Gartenvögel. Ein Meisenpaar verfüttert beispielsweise während der Aufzucht seines Nachwuchses knapp 10.000 Raupen an seine Jungen. 

30. Mai 2018

Foto: Christiane Flechtner