Vorbild: So könnte auch die Kavallerie der Berliner Rittergilder später daherkommen.

Panorama

Ritter-Sport auf Pferderücken

Der Reinickendorfer Thomas Berliner mischt bei Mittelalter-Kavallerie mit

Von Inka Thaysen

„Eigentlich habe ich Pferde früher nie gemocht, sogar Angst vor ihnen gehabt“, berichtet Thomas Berliner aus Reinickendorf-Ost. Bis vor wenigen Jahren hätte der 58-Jährige sich wohl nicht träumen lassen, dass er eines Tages an der Entstehung einer echten Ritter-Kavallerie mitwirken würde. 

Seit 2006 durch seine Kinder mit dem Thema Mittelalter allmählich angesteckt, ging er den ersten Schritt in diese Richtung dann 2015 aber doch: Damals beschloss er – gleichzeitig zu seinem Kampf gegen die Furcht vor Hunden anlässlich einer ebensolchen Anschaffung seiner Frau – auch seine negativen Gefühle gegenüber Pferden abzulegen … Er begann kurzerhand Reitunterricht zu nehmen.

Heute ist Thomas Berliner, der beruflich generell viel durch die Welt jettet, öfter nach Luckenwalde unterwegs: Auf einem Hof dort stehen sieben Vierbeiner, die die von seinem Sohn einst gegründete Berliner Rittergilde künftig bei ihren Auftritten unterstützen sollen. „Gerade befinden wir uns noch in ihrer Ausbildung, ganz am Anfang, in Phase 1. Es geht um Gewöhnung: der Pferde an die Ritter, der Ritter an die Pferde, vor allem aber auch um das Umgehen mit Lärm, schnellen Bewegungen. Phase 2 wird sein, beritten in Formation zu bestehen, bei Schritt 3 dann werden wir üben, dass die Tiere hinter einer kämpfenden Infanterie ruhig stehen bleiben können.“ 

Das ist auch Berliner persönlich besonders wichtig: „Wenn ich dann auch mal in den Sattel komme, wünsche ich mir ein Schaukelpferd, das nicht bockt“, hat sich der Reinickendorfer schon genau überlegt. Derzeit gehört er beim Training mit den sieben Warmblütern – zumindest, was den Sattel angeht – nicht zur ersten „Garde“: „Ich bin der Ersatzmann, wenn einer von unseren erfahreneren Reitern nicht kann“, aber interessiert und engagiert bei den Proben dabei ist er natürlich auch so. 

Zurzeit nutzen die Ritter Sid, Orion, Tipi, Kyra, Bora, Shogun und  Tipula neben den zweimal im Monat stattfindenden gemeinsamen Übungslektionen meist fürs Gepäck, führen sie etwa bei Aufmärschen mit. „Unser Ziel wird auch später in erster Linie sein, sie zu Repräsentationszwecken mit einzusetzen. Wir werden nicht von ihrem Rücken aus kämpfen und außerdem nur in leichter Rüstung aufsitzen.“ Eine schwere kann schließlich bis zu 35 Kilo wiegen, erklärt Berliner weiter. 

Wenn es soweit ist, können er und seine Gilden-Kollegen historische Ereignisse noch authentischer nachstellen als heute schon, ihr Fokus ist das 13. Jahrhundert, Hochmittelalter. Die Pferde sollen dann aber keinesfalls authentische Ausrüstung tragen müssen, sondern werden, ganz wie gewohnt, normal gesattelt und mittels Decken historisch hergerichtet. Eine Premiere hat die Gruppe noch nicht konkret im Auge, sagt Berliner: „Wir nehmen Rücksicht auf die Entwicklung unserer Tiere.“

Thomas Berliner von der Berliner Rittergilde hat das Reiten schon gelernt. Bild: privat

10. August 2019