Politik & Wirtschaft

Parkverbot fast über Nacht

Autobesitzer müssen plötzlich weitere Wege in Kauf nehmen

Von Bernd Karkossa

Henning Opitz ist eigentlich gar nicht betroffen, er hat einen Stellplatz für sein Auto direkt vor seiner Haustür mit angemietet, als er von Frohnau in die Eigentumswohnung Alt-Wittenau 91 a zog. Aber seine Frau schon. „Ich muss mir jetzt immer einen Parkplatz außerhalb suchen“, sagt Karla Opitz.  Der Grund: Vor vier Wochen wurden vor den Häusern 91, 91a – 91c Absolute Halteverbots-Schilder angebracht. Ohne Vorwarnung oder Vorankündigung, plötzlich waren die Schilder da. Opitz glaubte zunächst,  der Krankenwagenverkehr der Vivantes Ambulante Krankenpflege GmbH Alt-Wittenau 91 sei der Grund. Aber dem ist nicht so. „Die Krankenwagen kamen ja immer durch, das war kein Problem. Wir sind von dem Halteverbot genauso betroffen“, sagte eine Sprecherin von Vivantes der RAZ auf Anfrage. „Wir wurden auch vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Inzwischen weiß das Ehepaar Opitz, dass die KKL Immobiliengesellschaft GmbH dahintersteckt.  „Auf einer Eigentümerversammlung wurde das beschlossen.“ Da waren sie nicht dabei, obwohl sie ihre Wohnung als Eigentum erworben hatten. Sei es drum: Die Autobesitzer, die das Sträßchen mit Verbundsteinen an der Seite als Park-raum benutzt hatten, müssen seitdem in angrenzenden Straßen nach Parkplätzen suchen und teilweise weite Wege in Kauf nehmen. Die Bauarbeiten in der Oranienburger Straße verschärfen die Situation zusätzlich.

Da es einen direkten Zugang zum unmittelbar an das Grundstück angrenzenden Aldi-Markt an der Oranienburger Straße 58 mit einem großzügigen Parkplatzgelände gibt, hatte Henning Opitz eine Idee. „Ich habe bei der Aldi-Geschäftsleitung in Essen nachgefragt, ob man nicht maximal zehn Parkplätze im hinteren Bereich des Marktes und in unmittelbarer Nähe zu unseren Wohnungen den Mietern zur Verfügung stellen könnte, eventuell auch durch einen Abschluss von Mietverträgen“, erklärte Opitz der RAZ. Als zusätzliches Argument führte er an, dass die Mieter auch Kunden der Aldi-Filiale sind. Aber der Ehrenpräsident des Berliner Handball-Verbandes wurde nicht erhört. „Meine Anfrage wurde zweimal abgelehnt, zuletzt von höchster Ebene in der Geschäftsführung.“ „Aber in freundlichem Ton. Im Gegensatz zur KKL, als wir uns dort wegen der Schilder erkundigt haben“, ergänzt seine Frau Karla. Sie muss nun weiter nach Parkplätzen Ausschau halten.

12. Mai 2018

Foto: Bernd Karkossa