Frohnau Aktuell

Spielgeräte mit dem gewissen Kick

Karl Köhler erfindet, konstruiert und fertigt in seiner Berliner Seilfabrik Spielgeräte, die ein Leben lang halten

Von Adine Sommer

Dieser Spielplatz ist nicht nur eine Krönung für Reinickendorf, sondern etwas Besonderes für ganz Berlin. Seit seiner mit Spannung erwarteten Eröffnung am 18. Oktober nutzen Kinder aller Altersstufen sowie Erwachsene diesen Erlebnisraum im Frohnauer Lesser-Park. Mitten im wald­ähnlichen Park, abgeschirmt vom Verkehr, wurde der alte Spielplatz aufgemöbelt. 

Der Bezirk investierte dafür 435.000 Euro, wie Bürgermeister Frank Balzer und Baustadträtin Katrin Schultze-Berndt bei der Eröffnung erklärten. Lange Reden waren allerdings nicht möglich, weil die ungeduldig wartenden Kinder, die das rote Band durchschneiden durften, schon beim Geläut der 12-Uhr-Glocken darauf brannten, den Spielplatz zu erobern. Schließlich gab es kein Halten mehr – selbst die Schoko-Kuss-Batterie wurde erst später gekapert. 

Alle Bereiche – Sandspielplatz, Kletter- und Barfuß­parcours, Calisthenics- und Gegenschaukel-Anlage sowie als Höhepunkt „Triitopia“, Reinickendorfs höchster Kletterturm – wurden in Beschlag genommen.

Bei der Frage „Wer hat solch geniale Ideen?“ stößt man auf den Erfinder, Konstrukteur und Unternehmer Karl Köhler, Geschäftsführer der „Berliner Seilfabrik GmbH & Co“. Der Reinickendorfer hat das 1865 gegründete Traditionsunternehmen für technische Produkte (Seile für Aufzüge), in dem er beschäftigt war, 1995 mit dem Namen gekauft und die seit den siebziger Jahren erarbeitete Nische für Spielgeräte mit seinem Team weiterentwickelt. 

Inzwischen ist daraus ein weltweit expandierendes Unternehmen mit 100 Mitarbeitern, unter anderem zwölf Ingenieure und Designer, mit Stammsitz in Reinickendorf geworden. Das Firmengebäude, in der Lengeder Straße wurde vor zwölf Jahren gebaut, später wurde die Produktion auf 3.000 Qua­dratmeter in der Flottenstraße erweitert. Hier werden die qualitativ hochwertigen Seile, Metallteile und seit einiger Zeit auch Bambus verarbeitet. Im Gegensatz zu Holzspielgeräten werden in der Seilfabrik Spielgeräte mit 30-jähriger Garantie hergestellt, die strengsten TÜV-Maßstäben standhalten. 

Karl Köhler hält über 15 Patente und sitzt selbst in nationalen und internationalen Normausschuss-Arbeitsgruppen. Die innovativen Spielplatzgeräte stehen überall auf der Welt: 80 Prozent der Produktion gehen in den Export mit Schwerpunkt USA, Australien, Japan, Singapur und Hongkong. Die Idee ist weltweit erfolgreich: Spielgeräte müssen nicht nur extrem sicher, sondern mit einem gewissen Kick auch so interessant sein, dass sie Kinder von Handy und Tablet weglocken. 

Bei dem über zehn Meter hohen „Triitopia“ in Frohnau müssen sich die Kletterer erst mit unterschiedlicher Anstrengung einen Weg nach oben erarbeiten, bevor sie bei einer der beiden unterschiedlich langen Rutsche belohnt werden. Diese Ideen basieren alle auf geometrischen Figuren, weshalb Stadträtin Katrin Schultze-Bernd sehr intensiv mit den Erbauern des Projektes die Möglichkeit diskutierte, diese Geräte in den Mathematik-Unterricht einzubauen. 

Der Schöpfer dieses Kletterwunders kam wegen anderer Termine erst zum Spielplatz, als die offizielle Eröffnung vorbei war, hatte aber seine Freude an den begeisterten Kindern. 

Die Arbeit in der „Berliner Seilfabrik“ ist auch für die nächste Generation gesichert. Karl Köhler teilt sich mit seinem Sohn David nicht nur die Geschäftsführung, sondern auch das Hobby Musik.  Vor 50 Jahren gründete „Karli“ die Band „Spirits and Sprite“, die inzwischen „Roque 4“ heißt, aber immer noch als Kultband beim Schollenfest auft­ritt.

Fotos (3): Adine Sommer

26. November 2018