Panorama

Entsetzen und Trauer in Reinickendorf

Der Tod einer Grundschülerin sorgt für Betroffenheit weit über Berlin hinaus

VON REDAKTIONSLEITERIN ANJA JÖNSSON

Bezirk ­– Trauer, Wut, Entsetzen und Hilflosigkeit – der Tod einer Grundschülerin aus Reinickendorf ruft viele Reaktionen hervor. RAZ Redaktionsleiterin Anja Jönsson schreibt in der neuen RAZ KOMPAKT über das, was uns eigentlich sprachlos macht:

Am Samstag (2. Februar) versammelten sich rund 150 Menschen zu einer Mahnwache vor der Schule im Ortsteil Reinickendorf. Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller kam zur Mahnwache und forderte Aufklärung. Denn viele Fragen sind offen. Die Ermittlungen zu den Umständen des Todesfalls dauern an. Der Verdacht verhärtet sich indes, dass sich das elfjährige Mädchen selbst das Leben genommen hat, weil sie das Mobbing an ihrer Schule nicht mehr ertragen konnte. Die Eltern möchten nähere Einzelheiten zum Tod ihres Kindes nicht öffentlich machen. Das ist zu respektieren. 

Der Tod des Mädchens schockiert. Für die meisten Menschen ist es unfassbar, dass sich ein so junger Mensch selbst das Leben nimmt. Mobbing an Grundschulen? Kaum vorstellbar. Es ist aber traurige Realität. Mobbing kommt in Schulen, Unternehmen oder Vereinen vor. Viel zu häufig werden die Mobbingfälle verdrängt. Bei den Kleinsten in der Gesellschaft darf nicht weggesehen und abgeschwächt werden. Sätze wie „Kinder können grausam sein“ sind keine adäquaten Antworten und bergen keine Lösungen.  

„Die Schule hat immer die Pflicht, das Opfer zu schützen, Lehrer müssen mutiger werden,“ erklärte Walter Taglieber, Vorsitzender und Mitbegründer des in Tegel ansässigen Vereins Contigo – Schule ohne Mobbing e. V., in einem Interview im vergangenen Herbst mit der RAZ zum Thema Mobbing. Der offene Umgang mit der bestürzenden Problematik ist ein wichtiger Schritt. Denn das Thema braucht Öffentlichkeit, um auch auf höherer Ebene etwas in Bewegung zu bringen. Nach Ansicht von Psychologen ist Mobbing als einzige Ursache für einen Suizid selten. Weitere Faktoren wie psychologische Auffälligkeiten und Vereinsamung könnten hinzukommen.

Unter der kostenlosen Hotline 0800–1110111 oder 0800–1110222 erhalten Sie umgehend Hilfe, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen kann. Kinder und Jugendliche können unter 0800–111 0 333 anrufen. Mehr Info unter www.telefonseelsorge.de


(Die neue RAZ KOMPAKT gibt es ab 6. Februar, 12 Uhr, im RAZ Café in Tegel und ab Donnerstag an den Vertriebsstellen)

5. Februar 2019