Soziales & Familie

Lehrerin war Herz der Klasse

hemalige Max-Beckmann-Schüler treffen sich nach 60 Jahren

Von Margrith Frei Krause

Sie sitzen an der langen Kaffeetafel in der Caféteria ihrer ehemaligen Schule, lachen viel und ihre Sätze beginnen mit „Weißt du noch…?“. Von 1954 bis 1958 haben die Mitte 70-Jährigen gemeinsam die Schulbank gedrückt in der Max-Beckmann-Oberschule, die damals noch Hermann-Schulz-Schule hieß. 

Der stellvertretende Schulleiter Timo Jamitzky begrüßt die Ehemaligen und erzählt aus dem heutigen Schulalltag. Die Max-Beckmann ist die beliebteste Sekundarschule in Berlin und die über 1.000 Schülerinnen und Schüler können zwischen ganz unterschiedlichen Unterrichtsschwerpunkten wählen. „Möchten Sie einen Rundgang durchs Gebäude machen?“, fragt Jamitzky. Das wollen alle und so machen sich die zwölf Ehemaligen und ihre begleitenden Partner auf den Weg treppauf und treppab. Beim Raum 214 gibt es eine längere Pause und das ehemalige Klassenzimmer wird in Augenschein genommen. Es wird wiedererkannt, aber „etwas war anders“, sinniert ein Grüppchen ohne herauszufinden, was anders war. Sozusagen als Türöffner werden die Ehemaligen von einigen Neuntklässlern aus der Theater-Arbeitsgemeinschaft von Helga Borcharth begleitet. Sogar einen Film drehen die jungen Leute über das Klassentreffen, den die Jubilare am Ende als CD mit nach Hause nehmen können. Anita Ghassemi erzählt von ihrem früheren Schulweg: „Helga, Reiner und ich sind zusammen aus der Kienhorststraße zur Schule gelaufen“. Und immer wieder fällt der Name der ehemaligen Lehrerin Klasse: Christa-Maria Schernus. „Sie ist der Grund, wieso wir auch in all den Jahren seit 1958 einen so guten Zusammenhalt haben“, lautet der Tenor. „Sie war nur 16 Jahre älter als wir und hat uns ernst genommen. Sie war eine wunderbare Lehrerin, mit der wir dreimal auf Klassenfahrt ins Haus am Rupenhorn in Grunewald verreisen durften. „Wir sind alle aus einfachen Verhältnissen und für uns war die Zeit in der Grunewalder Villa ´der Himmel auf Erden´“, drückt es eine ehemalige Schülerin aus. „Durch Frau Schernus habe ich anlässlich einer Fahrt auch das erste Mal von den Verbrechen der Nationalsozialisten im 2. Weltkrieg erfahren“, erinnert sich Anita Ghassemi. Sie erzählt, wie schockiert und aufgewühlt sie war. „Unsere Klasse samt Anhang trifft sich seit 1958 alle fünf Jahre – in den letzten zehn Jahre sogar jedes Jahr“, berichtet Helga Freimark. Die von allen geachtete Lehrerin, welche vor kurzem verstarb, war bis vor wenigen Jahren immer dabei.   

30. Mai 2018

Foto: MARGRITH FREI KRAUSE