Sport & Vereine

Hochsprung mit Bleiweste

Füchse-Handballer holen EHF-Cup, A-Jugend Deutscher Meister

Von Bernd Karkossa

Die Reise nach Magdeburg hat sich gelohnt für die Füchse Berlin. Am Samstag vor Pfingsten holten sich die A-Junioren mit einem 36:31-Sieg gegen den SC Magdeburg den Deutschen Meistertitel, am Pfingstsonntag setzten die Männer noch einen drauf und sicherten sich mit einem 28:25-Erfolg im Endspiel gegen das französische Team von Saint-Raphael Var Handball zum zweiten Mal nach 2015 den EHF-Pokal. Im Halbfinale hatte sich das Team von Trainer Velimir Petkovic 27:24 gegen den Titelverteidiger Frisch Auf! Göppingen durchgesetzt, Saint Raphael schaltete die Gastgeber aus. 

Tja, und am Dienstag nach Pfingsten gab es einen Empfang vor dem Reinickendorfer Rathaus mit beiden Mannschaften und ihren Fans. Silvio Heinevetter fuhr im Porsche vor, Bürgermeister Frank Balzer und Füchse-Chef Dr. Frank Steffel hielten Ansprachen. 

Zurück nach Magdeburg. Die A-Jugend war mit einem dünnen Zwei-Tore-Polster (27:25) aus dem Hinspiel angereist. Die meisten der 625 Zuschauer peitschten das Magdeburger Team nach vorn, das den Rückstand zur Pause wettgemacht hatte und mit einer 15:13-Führung in die Kabine ging. Es sah nicht gut aus für die Jungfüchse, Mex Raguse traf kurz vor der Halbzeit bei einem Siebenmeter den Magdeburger Torwart im Gesicht, sah dafür Rot und musste sich den zweiten Durchgang von der Bank anschauen.

Aber das schweißte die Berliner offenbar noch mehr zusammen, die Rolle des besten Torschützen, die in Viertel- und Halbfinale noch Raguse vorbehalten war, füllten nun Loris Kotte (10/1 Tore) und Rolando Urios (9) aus. Die Füchse glichen zum 17:17 aus und wurden immer dominanter. Spätestens, als Kotte mit drei Treffern in Folge von 32:27 auf 35:27 erhöhte, war der Truppe von Coach Bob Hanning der Titelgewinn nicht mehr zu nehmen.

Die Männer hatten am Pfingstsonntag sozusagen einen Hochsprung mit Bleiweste zu absolvieren. Sie hatten nicht nur die Franzosen als Gegner, sondern auch das Magdeburger Publikum, das sich voll auf die Seite von Saint Raphael schlug. Besonders der aus Magdeburg stammende Füchse-Keeper Silvio Heinevetter musste viel Häme erdulden, er wurde ausgepfiffen und verspottet. „Unglaublich, eine solche Atmosphäre habe ich noch nie erlebt“, sagte Rolf Riemer vom Trainerteam der A-Jugend, „im Europa-Pokal hält man doch eigentlich zur noch im Wettbewerb vertretenen deutschen Mannschaft.“ 

Wer Heinevetter aber kennt, der weiß, dass ihn solche Aktionen eher zu Höchstleistungen anstacheln. Und so war es dann auch. Die Franzosen (und die Magdeburger Zuschauer) verzweifelten zusehends am herausragenden Torwart, der 17 Paraden zeigte, bester Werfer war Mattias Zachrisson mit neun Treffern. Herausragend muss auch die anschließende Feier gewesen sein, die hatten sich die Füchse nach fünf Siegen in Folge, unter anderem auch in der Bundesliga gegen den Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen, auch verdient. Und die Feierstunde am Dienstag in Reinickendorf, die eben auch. 

30. Mai 2018

Foto: Privat