umwelt

Belastung durch Mikroplastik

320 Tonnen entstehen im Bezirk aus Reifenabrieb

Von BErnd Karkossa

Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien wiesen in einer Studie erstmals Mikroplastik, also Plastikteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind, im menschlichen Stuhl nach. Wie es dorthin genau gelangen konnte, wissen die Wissenschaftler nicht. Woher aber das Mikroplastik in unserer Umwelt kommt, weiß man besser. An der Spitze der Verursacher steht der Abrieb von Autoreifen, das ging aus einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen hervor.

Jährlich werden 330.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt abgegeben, etwa ein Drittel davon geht auf das Konto der Autoreifen. Das entspreche vier Kilo pro Einwohner. Das ist in etwa so viel wie der im Jahr anfallende Makroplastik-Müll – also Plastiktüten und andere achtlos weggeworfene Kunststoff-Produkte. Anton Kulmus von der NABU Projektgruppe Schäfersee wollte in der BVV-Sitzung am 10. Oktober wissen, wieviel Tonnen Mikroplastik aus Reifenabrieb in Reinickendorf anfallen. Seine Einwohneranfrage schaffte es aus zeitlichen Gründen nicht auf die Tagesordnung, Bürgermeister Frank Balzer antwortete Kulmus auf schriftlichem Weg. Balzer berief sich auf die Studie des Fraunhofer-Instituts und rechnete die Zahlen hoch bzw. runter. So könne „für den Bezirk eine Gesamtmenge von ca. 320 Tonnen emittiertem Mikroplastik aus Reifenabrieb pro Jahr abgeleitet werden“. Kulmus: „Man muss bedenken, dass die geschätzten 320 Tonnen Mikroplastik hoch toxisch sind. Vor allem Zink-, Arsen- und Cadmiumverbindungen gefährden unsere Gesundheit, und die unserer Umwelt, von der wir hochgradig abhängig sind. Wieviel von diesem Mikroplastik sammelt sich in unseren Körpern an?“

Kulmus befürchtet schlimme Folgen für die Umwelt: „Weil wir in Reinickendorf offiziell die Trennkanalisation haben (leider ist unbekannt, wieviel Grundstückseigentümer ihr Niederschlagswasser illegalerweise in die Schmutzwasserkanalisation einleiten), werden vermutlich mehr als 90 Prozent des Mikroplastiks aus Reifenabrieb in die rund 70 Oberflächengewässer des Bezirks eingespült.“

Kulmus hat als mögliche Lösung für den Schäfersee eine Retentionsanlage gefordert und nennt als Beispiel die Kläranlage am Halensee: „Die Situation dort mit der der Schäfersees zu vergleichen, ist vielleicht nicht ganz zulässig. Aber: Warum ist eine Klärung des Dreckwassers am Halensee möglich und am Schäfersee angeblich zu teuer?“ 

Foto: Fraunhofer.Umsicht

26. November 2018