Politik & Wirtschaft

Es brodelt im Waldseeviertel ...

… und meist leitet das Navi den „kleinen Grenzverkehr“

Von Adine Sommer

Umland/Bezirk – Die Bewohner rund um die Schildower Straße kommen nicht zur Ruhe. Viele Pendler meiden den Stau auf der Bundesstraße B 96 und nehmen die Abkürzung durch das vormals ruhige Wohngebiet. Die von den Anwohnern geforderte Sackgassen-Lösung wird von der zuständigen Stadträtin für Bauen, Bildung und Kultur, Katrin Schultze-Berndt (CDU), strikt abgelehnt, weil „sie keine zweite Mauer errichten will“. 

Sie plant in einer Testphase verschiedene Maßnahmen, die die Abkürzung unattraktiv machen wie Blumenkübel und eine Ampellösung mit unterschiedlich langen Rotphasen.

Hier zwei weitere Politiker-Stimmen:

Ulf Wilhelm (SPD), Vorsitzender des Planungsausschusses der BVV: „Eine klassische Verkehrslenkung über Schilder zeigt kaum noch Wirkung und wird durch moderne Navigationssysteme abgelöst. Sehr viele Autofahrer richten sich nach dem ,Navi‘, das als kürzeste Route den Weg über die Schildower Straße anzeigt. Bei einer Schließung der Straße fürchte ich eine Verlagerung in die anderen Wohnstraßen. Als einzige Möglichkeit sehe ich, dass die Abkürzung unattraktiv gemacht wird.“

Marvin Schulz (CDU), Vorsitzender der Jungen Union Reinickendorf, sagt: „Die offiziellen Messungen haben noch höhere Werte ergeben als im Verkehrsgutachten der Bürgerinitiative von Prof. Ortmann aufgeführt. So passieren ca. 7.500 Fahrzeuge pro Stunde die Wohnstraße und die Geschwindigkeitsübertretungen in der 30er-Zone sind erschreckend. Als einzig sinnvolle Lösung sehe ich die Schließung der Straße mit Öffnung für Fußgänger und Radfahrer. Diese Sackgasse könnte schön gestaltet werden – etwa mit Bänken, Kunst und Blumenkübeln.“

Die Situation am Waldsee scheint verfahren und ruft nach einer interkommunalen Lösung.

Der Arbeitskreis „Niederbarnimer Fließlandschaft“, dem neben den Kommunen Glienicke/Nordbahn, Birkenwerder, Hohen Neuendorf und Mühlenbecker Land auch die Berliner Bezirke Reinickendorf und Pankow gehören, möchte das Problem des ständig zunehmenden Pendler-Verkehrs im „Speckgürtel“ angehen. 

Am 11. Februar unterzeichneten im Glienicker Rathaus die vier Brandenburger Bürgermeister den „Koordinierungsvertrag Fördermittelantrag interkommunales Verkehrskonzept“ (die RAZ berichtete). Darin ist geplant, die Bundesstraße B96 zu optimieren, den zunehmenden Pendler-Verkehr und den Umstieg auf den Öffentlichen Personen-Nahverkehr sowie auch den Radverkehr ausreichend zu berücksichtigen. 

8. März 2019

Bild: SenUVK