Panorama

Bienenfreundliches Balkonien

Hummel- und solitärbienengerechte Balkone & Gärten

Von Melanie von Orlow

Berlin soll „bestäuberfreundlicher“ werden, so das erklärte Ziel des Senats. Kurz vor der Veröffentlichung der neuen „Rote Listen der gefährdeten Pflanzen, Tiere und Pilze von Berlin“ wird die Bedeutung der Stadt als Rückzugsgebiet gerade für die anspruchsvolleren Solitärbienen deutlich. 317 der 582 Bienenarten Deutschlands sind Berliner, und im Gegensatz zur allgegenwärtigen Honigbiene sind sie Feinschmecker, die oft auf Pollen bestimmter Pflanzengruppen angewiesen sind. Doch Berlin baut, und es verschwinden Brachen und verwilderte Kleingärten, in denen solche oft nicht im typischen Gartensortiment zu findende Pflanzen beheimatet sind. 

Damit wird es immer wichtiger, Gärten und Balkonen auch für Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlingen attraktiv zu gestalten. Leider bleibt das oft ungenutzt – die Baumärkte und Discounter bewerben knallbunte Stiefmütterchen und Hängegeranien, obwohl diese Pflanzen trotz ihrer Farben von kaum einem Insekt besucht werden und dabei viel Pflege benötigen. Dabei gibt es Alternativen. Sonnige und eher trockene Balkonkästen können mit Gewürzpflanzen wie Minzen, Thymian, Oregano, Lauch und Mauerpfeffer insektenfreundlich zum Blühen gebracht werden. Halbschattige und eher feuchte Lagen profitieren von Glockenblumen, Lerchensporn und Storchenschnabel. Wer einen Garten sein Eigen nennen kann, kann nun durchforsten: die prächtig gelb blühende, aber weder von Vogel noch Insekt besuchte Forsythie kann durch Kornelkirsche oder Mahonien und immergrüne Thuja durch insektenfreundlich blühenden Liguster ersetzt werden. Für Zäune sind nicht nur der prächtige Blauregen, sondern  auch die unauffälligere Zaunrübe – am besten die männliche – geeignet. Staudenbeete mit Schneeheide, Wollziest, Färberkamille, Rainfarn, Wegwarte, Korn- und Glockenblumen sind für zwei- bis sechsbeinige Gartenbesucher attraktiv. 

Einen Bogen sollte man um gefüllte Züchtungen machen, die bei Studentenblumen, Rosen, Dahlien und anderen Blütenpflanzen zwar für sehr üppige, große Blüten sorg,  die aber keinen Nektar und Pollen mehr liefern. Wer noch Platz für den einen oder anderen Baum hat, kann mit Obstgehölzen, männlichen Weiden oder gar einem Bienenbaum für Starthilfe in den Insektensommer sorgen. Dann kann man auch mal nachschauen,  wer sich alles einfindet – die Aktion Insektensommer des NABU lädt in diesem Jahr unter dem Motto „Zählen, was zählt“ zum Erkunden und Zählen der Insektenwelt ein: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/insektensommer.

8. Mai 2018

Foto: Melanie von Orlow