Nadine Majewskys Pferdewelt ist blau und gelb (Bild: Constanze Fiedler)

Panorama

Über eine blau-gelbe Paartherapie

Reinickendorferin unterrichtet in ihrem „Pferde-Fitnessstudio“ Mensch und Tier

Von Inka Thaysen

Reinickendorf – Hålfter, Jåcke… möchte man fast schreiben: Das Equipment von Pferd und Mensch sieht ein bisschen aus, als entstamme es dem Angebot einer IKEA-Filiale. Und dann ist diese Frau am Führstrick auch noch hellblond wie das Urklischee einer Schwedin. Trotzdem geht’s hier mitnichten um Skandinavien, sondern um eine Bewohnerin des Fuchsbezirks mit einem ganz besonderen Trainerschein: Nadine Majewsky praktiziert eine spezielle Herangehensweise der Pferdeausbildung.

„Pferde haben nur zwei Farbzapfen im Auge, das hat eine Studie ergeben. Deshalb sehen sie nur blau und gelb“, erklärt sie… und deshalb ist auch Majewskys Ausrüstung und sind Teile ihrer Kleidung in diesen Farben gehalten. Halfter, Jacke, Führstrick, Longe, Stangen am Reitplatz-Boden, Hütchen wie Verkehrspylonen – alle visuellen Arbeitsmittel passen ins Schema.

Majewsky geht der sogenannten „Dualaktivierung“ und „Equikinetic“ nach, deren Erfinder Michael Geitner ist. Und das kam so: „2013 hat mein Mann mir ein Pferd gekauft, einen jungen Friesen, der mich fast verzweifeln ließ, weil er biss und trat. Schließlich begriff ich durch ein Buch, dass ich nicht ihn, sondern vor allem mich selbst, meinen Umgang mit ihm ändern musste.“ Die Reinickendorferin begann sich mit den Lehren Geitners zu beschäftigen und besuchte schließlich mit dem Friesen einen Kurs bei ihm. „Wir fuhren extra 800 Kilometer nach Bayern runter und arbeiteten unter Anleitung vier Tage intensiv. Und was soll ich sagen: Ich kam mit einem Proll und verließ den Hof mit einem echten Kumpel.“ 

Ein Jahr später nahm sie mit ihrem Pferd bereits erfolgreich an Turnieren teil. „Das überzeugte mich komplett. Und nicht nur mich. Viele Bekannte auf unserem Hof wollten mehr über die Methode wissen. Und so kam es, dass ich meine Trainerausbildung absolvierte. Heute bin ich lizenziert und fahre seit 2017 zu verschiedenen Kunden in und um Berlin.“ 

Einzelunterricht oder Kurse können Pferdemenschen bei ihr buchen, ob Turnier- oder Freizeitreiter. „Was ich anbiete, ist eine Paartherapie für Pferd und Mensch. Ich helfe dabei zum Beispiel auch alten Pferden oder solchen, die nach längerer Krankheit wieder fit und schmerzfrei werden sollen.“ Zugrunde liegt dem Training ein Zeitsystem: Sechsmal drei Minuten mit jeweils einer Minute Pause zwischen den Einheiten. „So erhält man die Motivation, baut Kondition auf – aber ohne zu überfordern.“ Beide Pferdeseiten ließen sich auf diese Weise gleichmäßig arbeiten, das wirke ausgleichend. Ähnlich bei der Equikinetic: „Das ist ein spezielles Longierprogramm. Eine Minute läuft das Pferd in Dauerinnenstellung, danach gibt es 30 Sekunden Pause und einen Handwechsel. Es ist ein wahres Fitnessstudio für Pferde!“ Wer diese ‚Muckibude‘ ausprobieren möchte, kontaktiert sie einfach. „Für mich ist das ein schönes Hobby, und wenn ich dabei Pferden und Menschen – und ihrer Partnerschaft – helfen kann, bin ich glücklich.“

Unterricht nach der besonderen Methode (Bild: privat)

31. August 2019