Umwelt

Raupe Nimmersatt aus Asien

Buchsbaumzünsler in Reinickendorf angekommen

Von Anja Jönsson

Sie ist bis zu sechs Zentimeter lang, leuchtend grün-gelb gestreift und frisst sich mit großem Appetit durch die Gärten: die Raupe des Buchsbaumzünslers. Sie ist unersättlich und frisst Buchsbäume ratzekahl. In China und Japan ist der Buchsbaumzünsler, ein Falter, eigentlich zu Hause. Über Pflanzenimporte ist er vor über zehn Jahren nach Europa gekommen und hat sich zunächst den Rhein entlang verbreitet. 

In Berlin ist er mittlerweile auch eingetroffen und hat auch vor Reinickendorf nicht halt gemacht. „Im letzten Jahr habe ich in meinem Garten elf Buchsbaumbüsche rausgenommen, die darunter liegende Erde entsorgt und an anderer Stelle neue gesetzt“, ärgert sich Gabriele Schulze aus Frohnau, „in diesem Jahr habe ich schon wieder welche gesichtet. Gift sprühen will ich aber nicht.“ Ähnlich geht es Christian Strauß aus Hermsdorf, der auch über starken Befall klagt. „Ich habe mich über die gelben Blätter und die feinen Gespinste an den Ästen gewundert und darauf die Äste genauer unter die Lupe genommen. In dem Busch sitzt die Raupe zu Dutzenden. Die Büsche rausnehmen möchte ich aber nicht.“

Der Buchsbaumzünsler legt seine Eier an der Unterseite von Buchsbaumblättern ab, dann fressen sich die Raupen vom Stamm im Inneren des Strauchs nach außen. Auf diese Weise kann sich der Buchsbaumzünsler nahezu unentdeckt vermehren. Erst werden die Blätter aufgefressen, dann geht`s ans Holz. Die Büsche sind oft so stark befallen, dass eine Rettung schwer möglich ist. 

Dennoch sollte die chemische Keule im Garten nicht geschwungen werden. Im Internet sind nützliche Tipps von Gartenfreunden zu finden. Eine Methode scheint vielversprechend: Bei Hitze im Sommer sollte ein lichtundurchlässiger (dunkler) Müllsack über den Buchs gestülpt werden. Durch die hohe Temperatur, die unter der Hülle entsteht, sterben die Raupen. Die Eier des Falters sind im Kokon aber geschützt, so dass der Vorgang in circa 14 Tagen wiederholt werden sollte. 

Auf der Speisekarte der heimischen Vögel steht die Raupe bisher nicht, was ein Grund für ihre rasende Vermehrung ist. Aber langsam kommen einige Vogelarten wohl auf den Geschmack. „Die Meise verträgt die Raupe nicht, ihr wird regelrecht schlecht. Aber der Feld- und Haussperling macht sich mittlerweile auf die Jagd nach Zünslerraupen“, berichtet Lars Lachmann. Er arbeitet als Experte für Vogelschutz beim Naturschutzbund (Nabu) und ist Diplom-Ingenieur für Landschafts- und Freiraumplanung. „Mir haben schon einige Vogelfreunde Fotos von raupenfressenden Sperlingen geschickt“, berichtet Lachmann. In seinem Garten in Reinickendorf ist der Zünsler auch angekommen, stark befallene Stellen schneidet er ab, kontrolliert die Äste und entfernt Raupen. Ansonsten setzt er auf seine gefiederten Freunde. „Der Sperling ist in Reinickendorf gut vertreten“, freut sich Lachmann. Angesichts des massiven Auftretens der Raupe kann dem Sperling nur „Guten Appetit!“ gewünscht werden. 

30. Mai 2018

Foto: Böhringer Friedrich_CC BY-SA 2.5