gewinnenPausenfoto im Bühnenoutfit: Die Tegeler backstage mit den jungen Hauptdarstellern von Tony und Maria: Tansel Akzeybek und Katja Reichert – bei der Wiederaufnahme der Produktion am 18. September F(Bild: privat)

Kultur | Freizeit

Momente der großen Gefühle

Edith und Georg aus Tegel treten in der Komischen Oper auf

Von Inka Thaysen

Tegel/Mitte –  Langsam sinken sie in die Knie, dann auf den Boden, zu Füßen ihrer 40 Jahre jüngeren Selbst. „Hold my hand and I’ll take you there“ singt der Chor dazu melancholisch – „halte meine Hand und ich bringe dich hin“. Der Titel: „Somewhere“, so dargeboten in der berühmten „West Side Story“ auf der Bühne der Komischen Oper Berlin. 

Und das Paar, das dort gerade mimisch stirbt, sind Edith und Georg aus Tegel. Seit der Premiere am Hause 2013 sind die jetzt 69-Jährige und ihr vier Jahre älterer Mann über alle gespielten Saisons als Komparsen mit von der Partie, geben die Zukunftsvision der Hauptdarsteller in deren alten Tagen. Es ist ein Moment der großen Gefühle und der Gänsehaut, auch für die Reinickendorfer. Fünf Minuten, erst flotter Quickstep, dann bedächtige Poesie, aber auch fünf Minuten Konzentration auf der sich drehenden, schrägen Bühne, die ihr schon einmal einen gebrochenen Fuß beim Aufmarsch zum Schluss­applaus bescherte.

Verschlagen hat es die beiden hierher ein bisschen aus Zufall und viel aus Neugier. Als ehemalige Turniertänzer „aber in der ganz untersten Klasse“, betont Georg, hatten sie sich auf die Info von Freunden aus dem Tanzsport hin spontan beworben. „Überall im Fernsehen gab es unterschiedlichste Castingformate; da dachten wir, sowas machen wir einfach auch mal mit“, berichtet Edith. Obwohl Oper „nicht so unser Ding“ war und keiner die „Komische“ zuvor besucht hatte, überzeugte das Duo die Macher des Stücks schnell mit seiner Tanz-Performance, die ohne Tanzmusik improvisiert werden musste.

"Ohne Attitüde"

„Wir hatten sehr viel Glück, kamen in ein ganz tolles junges Team, wo es bis heute sehr harmonisch zugeht, ohne Attitüden“, erzählt Georg. Und seine Frau sagt: „Wir sind voll akzeptiert, besuchen sogar Solisten an ihren Auftrittsorten. So kommen wir rum, waren etwa schon in Paris und Wien. In Berlin tritt das Paar seit September – dem Ende der Sommerpause – wieder auf, in der Regel vor pickepackevollen Rängen, denn die „West Side Story“ ist immer ausverkauft. Für Silvester sieht der Plan gleich zwei Vorstellungen vor, kein Problem für die beiden: „Wir haben sogar am Tag unserer Goldenen Hochzeit gespielt“, erzählt Sie, „da haben wir für unsere Familie ausnahmsweise einige Mitarbeitertickets bekommen, so dass unsere Lieben bei uns sein konnten.“

Ob übrigens Verwandtschaft in den Rängen sitzt oder nicht: Am Ende jeder Aufführung gibt es immer viel Applaus, „der ebbt die ganze Zeit nicht ab“, erzählen die Tegeler, auch wenn sie beim Aufmarsch noch mal nur zu zweit auf die Bühne kommen, um sich zu verbeugen: „Das ist natürlich herrlich, wunderbar!“ – findet Georg. Und bis wann darf das noch so weitergehen, gerade weil laut Edith „Sterben viel schwieriger ist als Tanzen“ und ihre Szene den Muskeln und Gelenken beim Bühnen-Tod Einiges abverlangt? „Wir machen weiter, solange es geht, solange wir laufen können“, ist das Paar sich sicher.

Karten zu gewinnen

Bernsteins Partitur erklingt in großer Originalbesetzung mit dem Orchester der Komischen Oper Berlin – eine Seltenheit im normalen Musicalbetrieb. Wer die Tegeler Tänzer live auf der Bühne erleben möchte, hat jetzt besonderes Glück: Die RAZ verlost mit der Komischen Oper zwei Tickets für die Vorstellung der West Side Story am Freitag, 11. Oktober, 20 Uhr. 

Schreiben Sie der RAZ an Gewinnspiel_RAZ@raz-verlag.de oder per Post an RAZ, Am Borsigturm 13, 13507 Berlin – jeweils unter Angabe von Name, Telefonnummer und dem Kennwort „West Side Story“. Einsendeschluss ist Montag, 30.9.19. Es gelten die Teilnahmebedingungen, wie auf Seite 34 unter „Lesen & Gewinnen“ dargestellt.

28. September 2019