Kultur | Freizeit

200 Jahre „Stille Nacht, Heilige Nacht“

Auf den Spuren des weltberühmten Weihnachtsklassikers aus Tirol

Von Christiane Flechtner

Bezirk – Es macht warm ums Herz und lässt innehalten: Die Rede ist von einem Lied, das 1818 in einem Dorf bei Salzburg am Weihnachtsabend zum ersten Mal gesungen wurde und dann um die ganze Welt ging.

In Oberndorf rückten nach dem Krieg die Menschen in der Schifferkirche näher zusammen, als der Hilfspfarrer Joseph Mohr seine Gitarre in die Hand nahm – die Orgel war defekt – und mit dem Dorfschullehrer Franz Xaver Gruber ein von beiden noch schnell komponiertes Weihnachtslied sang. „Stille Nacht, Heilige Nacht“ erklang zum allerersten Mal. 

Es waren fahrende Tiroler Händler und Sänger wie die Geschwister Rainer, die neben Liedern, Jodlern und Tänzen auch das Weihnachtslied in Deutschland, Großbritannien und Russland verbreiteten. Mittlerweile wird „Stille Nacht“ in 350 Sprachen und Dialekten gesungen. So gibt es das finnische „Jouluyö, juhlayö“, das estnische „Püha öö“ und das grönländische „Juullimi qiimasuttut“. Weltbekannt ist die englische Version „Silent Night“ von 1935, gesungen von Bing Crosby. 

Das Lied trägt eine wahre Friedensbotschaft in sich: So hat es den kämpfenden Soldaten 1914 sogar eine Waffenruhe beschert. An der Westfront In Flandern erklang zwischen den Fronten plötzlich dasselbe Lied. Die britischen und deutschen Soldaten legten spontan ihre Waffen nieder und sangen es gemeinsam in ihren Muttersprachen.

Auch in Reinickendorf hat es in schweren Zeiten Trost gespendet: „Ich weiß noch, dass wir das Lied 1943 an Weihnachten immer wieder gesungen haben“, erinnert sich die Heiligenseerin Christa Held. „Wir wollten, dass der Krieg endlich vorbei ist.“ 

Ute Sauerbrey, Pfarrerin in Alt-Lübars, mochte das Lied lange Zeit nicht: „Es war mir zu langsam, der Text zu süßlich. Vor allem finde ich die verkitschten Versionen, die zur Weihnachtszeit allerorten dudeln, furchtbar. Aber wenn man das Lied ganz einfach und schlicht singt, kann es richtig schön sein. So ist es ja auch entstanden. In einer Gemeinde, die eine kaputte Orgel hatte, wo sonst nur lateinische Gesänge in der Kirche geduldet waren, haben es Menschen gesungen, die das Lied in seiner Einfalt und Schlichtheit wirklich getröstet hat. Das kann man auch heute noch hörbar machen, wenn man es von allem Kitsch befreit und es schlicht und einfach singt.“ 

24. Dezember 2018

Foto: Flechtner