Juliane Altenburg und ihr Mann bringen kranke Kinder zum Lachen (Bild: Gregor Zielke)


Soziales | Familie

Emma Dilemma bringt Ablenkung

Die Clowns vom Verein Rote Nasen verbreiten ein bisschen Spaß im Krankenzimmer

Interview: Inka Thaysen

Hermsdorf/Bezirk – „Wir sind dort, wo es weh tut“, sagt Juliane Altenburg über ihre Arbeit, die gleichzeitig ihre Berufung ist: Seit mehr als 13 Jahren sind die Hermsdorferin und ihr Mann gemeinsam mit anderen Clowns für den gemeinnützigen Verein Rote Nasen unterwegs.  In ihrer Parade-Rolle als Emma Dilemma besucht die 46-Jährige in Krankenhäusern, Senioren- und Flüchtlingsheimen, aber auch im Hospiz Menschen, die Ablenkung, Hoffnung und Liebe dringend brauchen. Anlässlich des Weltlachtags am 5. Mai hat die RAZ mit ihr über Freude, Passion und Herausforderung gesprochen.

Wie kamen Sie eigentlich zu dieser ganz besonderen Tätigkeit?

Clowns haben mich schon seit meiner Kindheit fasziniert, und im Maskentheater meiner Großeltern lernte ich die Commedia dell‘arte kennen. Ich schlüpfte in die Rolle des Harlekins, des Hofnarren, des Dummen August. Später an der Schauspielschule hatten wir auch einige Monate Clown-Training. 

Obwohl ich mit der Clownerie auf Anhieb vertraut war, wollte ich erst einmal als Schauspielerin die Bühne erobern. 2004 habe ich dann die Clowns von Rote Nasen kennengelernt und bin da langsam reingewachsen. 

Was muss man denn genau mitbringen, um ein guter Clown zu sein?

Wir sind alle ausgebildete, professionelle darstellende Künstler und Künstlerinnen, die meisten aus dem Bereich Schauspiel, aber auch Akrobaten, Straßentheaterkünstler, oder sie haben eine Clownsschule besucht. Von Natur aus muss man natürlich eine komische Begabung, dann auch Improvisationstalent, Spielfreude, Kollegialität – und ein besonderes Einfühlungsvermögen mitbringen.

Sie machen viel Programm für kranke Kinder, trösten und lenken ab. Wie geht das vor sich?

Gemeinsam ist bei allen Visiten, dass wir mit dem Pflegepersonal vorher eine Übergabe machen: Hier erfahren wir, wie es den jeweiligen Patienten und Bewohnern medizinisch und seelisch geht. In Kinderkliniken wie dem „Virchow“ gehen wir dann als Clown-Duo durch die Zimmer, zaubern, singen, tanzen, verstecken uns und vieles mehr. Im Kinderhospiz Sonnenhof bin ich auch gern, und dort ist es wieder ganz anders. Den Kindern, die oft zwischen Leben und Sterben sind, bringen wir unsere Liebe, unser Vergnügen, unser Staunen an der Welt.

Es gibt aber auch noch andere Menschen, die Sie auf andere Gedanken bringen.

Genau, ich gehe auch in Geriatrien, oft zu Demenzkranken. Wir singen alte Schlager oder Volkslieder, verheddern uns dabei mit dem Notenständer und der Ukulele. Slapstick lieben eigentlich alle Menschen, so ist meine Erfahrung. Und wir suchen Anknüpfungspunkte an die Zeit, in der die Bewohnerinnen und Bewohner jung waren. Auch für geflüchtete Menschen sind wir da, im Dreierteam, mit einer Show für Kinder oder Spieletagen und Workshops, etwa in Jonglage. 

Wie sind Sie privat, als Familienmensch? 

Ich würde schon sagen, dass wir ein sehr fröhliches Familienleben haben. Mein Mann Leopold ist ja auch Schauspieler und Clown und sehr komisch, und auch unsere Kinder sind meist quietschvergnügt. Es ist wirklich ein Glück, dass wir Eltern die gleiche Arbeit haben, das tut dann sehr gut, sich auszutauschen… denn das ein oder andere Mal habe ich schon etwas erlebt, das mich sehr bewegt hat: heftige Schicksale, Unfälle, die eine ganze Familie zerstört haben oder die vielen einsamen Kinder, vor allem Babys, die nicht besucht werden. Manchmal zünde ich eine Kerze an und schicke dem Kind gute Gedanken.

Gibt es ein Schlüssel-Erlebnis, das Sie besonders bewegt hat? 

Ich werde mich immer an das achtjährige Mädchen erinnern, das eigentlich in einem Heim lebte: fröhlich, mit langen blonden Haaren. An der Klinik in Buch bekam es die Diagnose Krebs, ein Bein musste abgenommen werden. Bei der Chemo verlor sie dann noch ihr schönes Haar. Trotzdem blieb sie unglaublich optimistisch, lebte ganz im Hier und Jetzt. Schließlich überwand sie ihre schwere Krankheit und kleine goldene Löckchen wuchsen auf ihrem Kopf. Und das Mädchen bekam eine Mama: Eine Erzieherin aus der Klinik hatte sie nach dem langen Krankenhausaufenthalt bei sich aufgenommen. 

Was macht das mit Ihnen, was bedeutet Ihre Tätigkeit für Sie? 

Ich bin glücklich, dass ich Clownin sein darf, und ich glaube, diesem Beruf kann man immer nachgehen, bis man tot umfällt. Der Clown ist so ein geheimnisvolles Wesen, mit einer sehr langen Geschichte quer durch die Jahrhunderte, ein Wanderer zwischen den Welten ... 

12. Mai 2019