Titel

Eltern-Taxis: Verkehrschaos vor Schulen

Offene Diskussion für mehr Sicherheit auf Schulwegen bei SPD-Veranstaltung

Von Andrei Schnell

Tegel/Bezirk - Morgens um Viertel vor acht ist die Welt vor den Grundschulen im Bezirk keinesfalls mehr in Ordnung. Die sogenannten Eltern-Taxis führen auch in Reinickendorf zu dramatischen Situationen. An einigen erarbeiten die jeweiligen Schulkonferenzen – an der Eltern, Lehrer und Schulleitung teilnehmen – umfangreiche Verkehrskonzepte. Um das morgendliche Verkehrs-Chaos vor den Schulen zu beenden, gehen diese Konzepte über das bloße Verdrängen der Elterntaxis hinaus. Ziel ist es meist, annehmbare Schulwege zu schaffen.

Die Verkehrssituation war Anlass einer öffentlichen Diskussion am 23. Januar, zu der die SPD in die Montessori-Schule nach Tegel eingeladen hatte. „Wir wollen nicht hören, was nicht geht“, erklärten einige Anwesende ihrem Fraktionsvorsitzenden Marco Käber und dem Fraktionsmitglied Stefan Valentin (beide Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung BVV). Sie hatten auf die Hürden beim Bau neuer Zebrastreifen oder gar neuartiger Kiss-And-Good-bye-Areas (Kurzzeit-Parkplätze) vor Schulen verwiesen. 

„Der Fortschritt ist eine Schnecke“, sagten sie. Zum Beispiel sei in Berlin die Verkehrslenkungszentrale ein Problem: „Das ist wie Goldstaub, wenn diese Behörde einen Zebrastreifen genehmigt.“ Solche Sätze empfanden einige Mitglieder offenbar als klein beigeben. Dass die Fraktion erfolgreich einen Antrag eingebracht hat, der das Bezirksamt auffordert, „neue Konzepte für den Schulweg an Grundschulen“ zu entwickeln, war manchem Genossen kein Hoffnungsschimmer. Doch manchmal hilft der Zufall. „Einer Baustelle verdankt die Otfried-Preußler-Grundschule eine Ampel an der Kreuzung Schulzendorfer Straße, Ecke Am Dachsbau“, sagte Daniela Steenkamp (SPD), die ein Kind an dieser Schule hat. Wenn diese allerdings nach Beendigung der Bauarbeiten in der Hennigsdorfer Straße wieder verschwindet, setzt das Verkehrschaos dort erneut ein. Steenkamp möchte das Thema Schulweg­sicherheit in ihrer Partei voranbringen. Für den morgendlichen Zeitdruck der Eltern, gerade wenn beide Partner arbeiten, kann sie Verständnis aufbringen; mehr Sicherheit könne nicht gegen die Eltern gelingen. „Wenn aber gute Vorschläge durch das Bezirksamt blockiert werden, dann müssen wir das skandalisieren.“ Hinrich Westerkamp, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der BVV, hat ein ganzes Bündel Ideen. „Beim Walking-Bus zum Beispiel können Kinder zu festgelegten Punkten gebracht werden, von wo aus sie dann geführt oder selbstständig als Gruppe gemeinsam zur Schule gehen.“ Das erfordere jedoch viel Organisation.

7. Februar 2019

Bild: Heidrun Berger