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Soziales | Familie

„Für mich sein will ich doch gar nicht!“

Kinder und Senioren bauen mit Spiel und Spaß gegenseitige Berührungsängste ab

Von Margrith Frei Krause

Frohnau – Es ist ein so außerordentlich sonniger Vormittag, dass die Besucherinnen der Senioren-Tagesstätte „Villa Frohnau“ Strohhüte tragen. Sie sitzen im Stuhlkreis im Garten, und in ihrer Mitte spielt eine Schar Kitakinder die Geschichte der Tulpenzwiebel, die aus der Erde wächst. 

Die kleinen Mädchen und Jungs recken ihre Arme in die Höhe, wenn die Tulpe aus der Erde schlüpft. Angeleitet werden sie von Christine Lehnert, der Leiterin des Pflegedienstes der Villa Frohnau. Als die Tulpe groß und schön gewachsen ist, gibt‘s eine Trinkpause. Dann wird ein buntes Tuch, auf dem ein Softball liegt, über die Mitte des Stuhlkreises gespannt, das von den alten Menschen gehalten wird. Unter dem Tuch tummeln sich die Kitakinder und versuchen, den Ball mit ihren Händen vom Tuch zu schubsen. Es braucht noch ein paar helfende Hände bei den alten Damen, weil nicht mehr alle genug Kraft in den Händen haben. Aber alle haben Spaß.

„Ich mag es, wenn wir zusammen was machen“, sagt Hildegard Monskowski, die zweimal in der Woche als „Gast“, wie die älteren Menschen hier genannt werden, in die Villa Frohnau kommt. Hannelore Hellwig pflichtet ihr bei und ergänzt: „Für mich sein will ich doch gar nicht!“ Die Gäste verbringen einen oder mehrere Tage pro Woche in der Tagesstätte. 

Morgens werden sie zu Hause abgeholt und gegen Abend mit einem Kleinbus wieder nach Hause gefahren. Die Kinder der Kita Frohnatur besuchten die nahe Senioren-Tagesstätte im Dezember und sangen Weihnachtslieder für die älteren Menschen. Seit kurzem kommt eine Gruppe von zehn Kitakindern regelmäßig alle zwei Wochen zu Besuch in die Villa Frohnau, erzählt Katrin Reinländer, die stellvertretende Leiterin der Kita Frohnatur. „Die Kinder, die mitkommen möchten, tragen sich jeweils in eine Liste ein“, sagt sie. „Es geht uns auch darum, dass sie mit älteren Menschen in Kontakt kommen und von beiden Seiten Berührungsängste abgebaut werden“, fährt sie fort und erinnert sich an eine rührende Begegnung. Ein kleiner Junge, der erst ängstlich war, habe sich beim vorigen Besuch mit einer älteren Frau, die zuerst ebenfalls ängstlich war, richtig gut unterhalten. „Ich kannte ja gar keine Kinder“, erzählt die Seniorin, „und wusste gar nicht, wie man mit ihnen umgeht“.  

Christine Lehnert betont, wie wichtig „Jubel und Trubel“ sind, um die alten Menschen aus ihrer Lethargie heraus zu holen. Manchmal werden auch gemeinsam in Grüppchen Gesellschaftsspiele gespielt. Die Senioren-Tagesstätte lädt die Kitakinder oft als Abschluss zum Mittagessen ein. „Was gibt‘s heute zum Essen?“,  fragt ein blondes Mädchen. „Kartoffelsalat mit Würstchen“, ist die Antwort. Auch das Menü schmeckt Jung und Alt.

2. Juni 2019