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Wege aus der Armut öffne

Haiti-Helfer mit Rück- und Ausblick zu ihren Plänen

Von Christiane Flechtner

Waidmannslust – Seit 1992 engagieren sich Barbara und Michael Kaasch in einem eigenen Verein für das von Naturkatastrophen und Armut gebeutelte Land Haiti. Mithilfe von Haiti Care e.V. und vielen Spenden konnte der Verein sogar eine Schule mit Kita und ein Waisenhaus eröffnen (wir berichteten). Die RAZ sprach mit den beiden engagierten Reinickendorfern über die nächsten Pläne.   

Wie war das Jahr 2018 für Sie?

M. Kaasch: 2018 war geprägt von vielen Sorgen. Haiti ist nicht mehr in den Schlagzeilen, obwohl die Menschen unter der extremen Inflation und den politischen Unruhen leiden. Haiti ist auch aus dem Bewusstsein der Spender verschwunden. Das macht es extrem schwer, unsere Projekte, die auf Nachhaltigkeit aufgebaut sind, umzusetzen.

Wie geht der Schulausbau voran?

M. Kaasch: Wir haben den 2010 zerstörten Schulanbau endlich ersetzen können. Das unsichere Provisorium ist verschwunden, und es gibt ein neues Gebäude, das die Qualität des Unterrichts gewährleistet. Eine große Spende hat uns dabei sehr geholfen. Sehr wichtig ist aber auch, dass viele einzelne Spender an diesem Bau beteiligt waren – ganz nach unserem Motto „Nur viele Tropfen kühlen einen heißen Stein“.

Ihre Schulkinder werden immer älter. 

B. Kaasch: Ja, wir haben inzwischen mehr „Oldies“ als Schüler. Aber wir verschenken nicht den Fisch, sondern die Angel! Wir schaffen also Möglichkeiten für junge Menschen. Sie lernen handwerkliche Fähigkeiten, bekommen Hilfestellung zum Besuch weiterführender Schulen, erhalten Stipendien für ein Studium – selbst im Ausland. Wir nutzen unser gewachsenes Netzwerk, um sie aus der Armut in eine selbstbestimmte, sichere Zukunft zu bringen. Das ist nicht immer einfach, aber unser Erfolg gibt uns Recht. Unsere Jugendlichen flüchten nicht. Sie bleiben im Land, weil sie eine Perspektive haben.

Sie fahren bald wieder nach Haiti. Was werden Sie dort tun?

B. Kaasch: Wir treffen auf junge Damen und Herren, die wir seit ihrer Kindheit kennen. Wir stoßen auf Kinder, die das erste Mal weiße Menschen sehen. Unser Arbeitsbesuch ist geprägt von Beobachtung, denn von außen sieht man Dinge, die sich optimieren lassen.

Wo drückt der Schuh am meisten?

M. Kaasch: Mit sinkendem Spendeneingang sorgen wir uns um die monatlichen Gehälter, das Schulessen, die medizinische Versorgung. Daneben müssen wir das Stammgebäude erhalten, was in diesem aggressiven Klima eine Herausforderung darstellt. Wir sind recht gut aufgestellt, benötigen jedoch Spenden für unsere Schützlinge neben den Aufgaben für eventuelle Katastrophenhilfe. Also: Spender und Paten sind herzlich willkommen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview Christiane Flechtner



Spenden gehen an: HaitiCare e.V., Commerzbank Berlin, Konto-Nummer: 0877 0000 00, BLZ: 10040000, IBAN: DE70 1004 0000 0877 0000 00, BIC: COBADEFFXXX.

Infos: www.haiticare.de

1. Februar 2019