Susanne Roggenhofer und Katrin Schultze-Berndt präsentieren das aktuelle VHS-Programm (Bild: BA Reinickendorf)

Panorama

Kein bisschen verstaubt

Die Volkshochschule im Bezirk feiert ihr Jubiläum

Von Anja Jönsson

Bezirk – Die Volkshochschulen in ganz Deutschland feiern ihren 100. Geburtstag. Bisweilen haftet ihnen zwar ein etwas verstaubtes Image an. Ein Blick in das aktuelle Programm der Volkshochschule Reinickendorf belehrt mögliche Skeptiker jedoch eines Besseren. Kurse wie „Modern Dance“, „Erstellen einer Virtuellen Realität“ oder „Vegane Backideen“ zeigen, dass die Volkshochschule mit der Zeit geht. Die Bildungseinrichtungen sind längst im 21. Jahrhundert angekommen. Von Staub keine Spur, und schon gar nicht in den neuen Räumen der VHS in den Borsighallen. 

Ende 2018 ist die VHS von der Buddestraße mit ihrer neuen Chefin, Susanne Roggenhofer, in die Hallen am Borsigturm gezogen. Seit August 2018 leitet sie die VHS und steht in Personalunion dem Amt für Weiterbildung und Kultur vor. Ein breites Aufgabenfeld für die gebürtige Oberpfälzerin, die schon während ihres Studiums weit über den Tellerrand hinausschaute und Auslandssemester in Frankreich und Neuseeland absolvierte. 

Das vielfältige Bildungsspektrum der Volkshochschulen reizt die engagierte junge Frau, die bereits die VHS in Garmisch-Partenkirchen wie auch die in Pankow souverän geleitet hat. Als „demokratischen Urknall“ beschreibt Susanne Roggenhofer die Gründung der volksnahen Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland. Das Jubiläum geht zurück auf die Weimarer Verfassung von 1919. Sie regelte erstmals die Belange der Erwachsenenbildung. Dieses Staatsbekenntnis für lebenslanges Lernen führte zu einer ersten großen Gründungswelle von Volkshochschulen. 

„1919 wurden in Tegel und Reinickendorf zwei Volkshochschulen gegründet. Daher feiern wir in diesem Jahr hier in Reinickendorf am 20. September zur ‚Langen Nacht der Volkshochschulen‘ das Jubiläum mit einem vielfältigen, interaktiven Angebot zum Mitmachen oder zum Zuschauen“, freut sich Roggenhofer. „Wir ziehen die Jubiläumsfeiern aber noch bis ins nächste Jahr“, teilt sie weiter mit. Denn 1920 schloss sich Berlin mit sieben weiteren Stadtgemeinden, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken zusammen und bildete die neue Stadtgemeinde Groß-Berlin. Im gleichen Jahr erfolgte dann die Gründung der VHS von Groß-Berlin. „Wir planen daher für 2020 eine größere Ausstellung und eine Broschüre,“ verrät die VHS-Direktorin. Kurse wie „Die Entwicklung des mehrstimmigen Gesangs“, „Brandenburger Wanderungen“ oder „Eiszeit in unserer Heimat“ standen 1921 für Lernwillige in Reinickendorf zur Auswahl. Damals wie heute steht die VHS jedem offen, der seine Neugierde und seinen Wissensdurst befriedigen möchte. „Das ist das Schöne und das Besondere an den Volkshochschulen“ begeistert sich Susanne Roggenhofer, „die Türen stehen jedem offen, es gibt keine Vor­auswahl.“

Die Volkshochschulen sind gewissermaßen zeitlose Einrichtungen. Zu jeder Zeit nehmen sie sich der Themen an, die für die Gesellschaft von allgemeiner Bedeutung sind. „Es findet aber mehr statt als reine Wissensvermittlung. Die Kurse haben auch einen integrativen Charakter. Lerngruppen treffen sich außerhalb der VHS, und die Teilnehmer lernen sich kennen“, Roggenhofer weist darauf hin, dass die VHS nicht nur Bildungs-, sondern auch Begegnungsstätten sind. Und dies für Menschen jeden Alters. „In Reinickendorf haben wir bei den Kurs­teilnehmern eine ausgewogene Altersstruktur. Wir erreichen junge Menschen ab 15 Jahren genauso wie Senioren.“ 

Wer sich von der Vielfältigkeit und Lebendigkeit der Volkshochschule überzeugen möchte, ist herzlich eingeladen, am 20. September vorbeizuschauen. Das offizielle Programm startet ab 18 Uhr in den Hallen am Borsigturm (Am Borsigturm 6; 3. Etage). In der Shopping-Mall gibt es schon etwas früher einen Vorgeschmack: Ab 17 Uhr zeigen dort Ballettschüler der VHS ihr Können im Foyer.

15. September 2019