Kultur & Freizeit

Mega-Upgrade für Leseratten

Was der Reinickendorfer Bibliotheksausweis so alles bietet

Von Harald Dudel

„Sie werden noch staunen, was in diesem Ausweis steckt“, orakelt Claudia Arndt, Leiterin der Tegeler Humboldt-Bibliothek, als ich mir nach 50 Jahren wieder den Lese-Ausweis einer Reinickendorfer Stadtbücherei ausstellen lasse. Die Veränderung fällt auf: riesige Touch Screens, Ausleih-DVDs, oder ein Erotik-Regalfach mit Grauschatten-Schmökern. Aber mit dem Ausweis-Selbstversuch muss ich bis zu Hause warten.

Die Website der Tegeler Bücherei verlinkt zur E-Ressourcen-Plattform der Öffentlichen Bibliotheken Berlins unter voebb.onleihe.de. Dort stehen sogenannte ePapers, eAudios und eVideos zur Verfügung. Erwartet hatte ich für 10 Euro im Jahr (bestimmte Zielgruppen für die Hälfte) – ehrlich gesagt – ein zwar bemühtes, aber eher mäßiges Angebot. Ich gebe meine Leseausweis-Nummer ein, gehe auf eBooks/„OnLeihe“ – immerhin eine hübsche Wortschöpfung. Hier finden sich über 35.000 E-Books, gut 5.500 Hörbücher sowie ein üppiges Musik-Angebot. Mit mehr als 100.000 CDs ist NAXOS die weltweit größte Online-Bibliothek der klassischen Musik plus Infotexte. Außerdem Online-Enzyklopädien, Sprachkurse, interaktives Lernen in Wirtschaft, Kreativität & Gestaltung. Seit Kurzem diverse Statistiken von Statista sowie Filme. Außerdem pointiert geschriebene FILMDIENST-Kritiken fast aller in Deutschland gezeigten Kinofilme. 

Ein Hammer aber ist der PressReader: Er bietet Zugang zu über 7.000 Zeitungen, und Zeitschriften aus aller Welt, – tagesaktuell, layoutgetreu und häufig noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe. Im Presseservice kann man nach Alt-Artikeln suchen und – aber bitte mit Quelle! –, aus den Texten kopieren. Für Mobilgeräte gibt es die PressReader App auch zum Offlinelesen. 

Irgendwelche Haken? Nö, außer dass in der Online-Bibliothek auch nur eine bestimmte Anzahl von Leihexemplaren vorhanden ist und man bei begehrten Titeln notfalls warten muss, bis der vorherige Entleiher seine Medien „zurückgegeben“ hat. Oder dass man auf Premium-Inhalte nur zugreifen kann, wenn man ein kostenpflichtiges Premium Abo abschließt. Ich bin jedenfalls weitestgehend begeistert. Zum Abschluss gibt mir Leiterin Arndt noch mit auf den Weg, „aber vergessen Sie bei all den Online-Angeboten nicht, auch ab und zu persönlich in unsere Bibliothek zu kommen“. Keine Sorge, bei dem Gebäude, den freundlichen Mitarbeitern und den attraktiven Veranstaltungen geht das schon klar.

24. Juli 2018

Foto: Harald Dudel