Soziales & Familie

Den normalen Alltag üben

Begegnungsstätte für psychisch kranke Reinickendorfer

Von Heidrun Berger

Für Erwachsene mit einer chronischen psychischen Erkrankung gibt es in der Provinzstraße 84/Ecke Hoppestraße eine Begegnungsstätte, das „Haus der guten Geister“. Sie können in dieser Einrichtung „üben“, wieder an einem normalen Alltag teilzunehmen, sich mit anderen Menschen zu treffen und zu sprechen – sozusagen ein Leben in der Gemeinschaft proben. Denn Menschen, die an einer psychischen Erkrankung leiden, haben es oft schwer, das alltägliche Leben zu bewältigen und Kontakt zu anderen Menschen zu pflegen. 

Wer möchte, kann in der Einrichtung frühstücken und Mittag essen. Beide Mahlzeiten werden in der eigenen Küche frisch zubereitet. Zum Reden oder für eine Beratung stehen Sozialarbeiter zur Verfügung. „Regelmäßig kommen zirka 30 Klienten zu uns in die Begegnungsstätte“, sagt Leiter Jochen Schroer. Er wünscht sich allerdings, dass noch mehr Begegnungen zwischen erkrankten und gesunden Menschen stattfinden. „Die Nachbarn trauen sich oft von alleine nicht herein“, weiß er. Deshalb werden offene Veranstaltungen organisiert, und es gibt eine Kooperation mit der Kirchengemeinde. Seit kurzem befindet sich in der Begegnungsstätte ein öffentlicher Kühlschrank. Dieser fungiert als Verteilstelle für die Initiative foodsharing. Deren Mitglieder retten noch verwertbare Lebensmittel aus Supermärkten vor der Mülltonne. Mehrmals in der Woche kommen die Lebensmittelretter und bestücken den Kühlschrank sowie den Brotschrank. Jeder kann sich daraus nehmen, was er braucht. Jochen Schroer hofft, dass dadurch öfter Nachbarn oder andere Reinickendorfer in die Begegnungsstätte kommen. Denn Kontakte zur Außenwelt sind für seine Klienten (lebens)wichtig. Die Begegnungsstätte ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und am Wochenende sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr offen. 

24. Juli 2018

Foto: Heidrun Berger