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Retrospektive: Dieter Ruckhaberle – der Maler

GalerieETAGE würdigt Werk und Schaffen des 2018 verstorbenen kulturpolitischen Akteurs und Freidenkers

Von Margrith Frei Krause

Hermsdorf – Am 10. Mai jährt sich der Todestag von Dieter Ruckhaberle zum ersten Mal. Grund genug für den Fachbereich Kunst und Geschichte des Bezirksamtes, sein malerisches Werk in den Fokus zu nehmen mit einer Ausstellung in der GalerieETAGE des Museums Reinickendorf. Ruckhaberles außerordentliches kulturpolitisches Engagement in Berlin und Reinickendorf wurde bereits ausgiebig gewürdigt, in der Ausstellung steht sein malerisches Werk im Mittelpunkt.

Frau Dr. Cornelia Gerner, Projektleiterin der Ausstellung, begleitet die RAZ-Mitarbeiterin auf dem Rundgang durch die Werkschau, die Arbeiten aus den Jahren 1965 bis 2017 zeigt. Es ist eine Farbenpracht, die sich von den weißen Wänden abhebt. Der erste Eindruck bleibt: meist großflächige Ölbilder, auf Holz – nicht auf Leinwand – gemalt, die meisten Motive sind gegenständlich mit Abstufungen ins Abstrakte. Ruckhaberle malte Porträts und Landschaften, doch Menschen sind ein zentrales Thema. Und insbesondere auch Gewalt, die ihnen angetan wird. Die Titel deuten auf Kriegssituationen wie den 2. Weltkrieg oder den Vietnamkrieg hin. „Schon wieder diese Lust, im fremden Schnee zu sitzen“ heißt das Bild, das Soldaten im Russlandfeldzug zeigt, wie sie im Schnee kauern, frieren, aufgegeben haben. Die Farbe Weiß verwendet der Maler in allen Schattierungen von rein bis schmutzig. Die griechische Mythologie ist ebenfalls ein immer wiederkehrendes Thema und regte Ruckhaberle unter anderem zum Tantaliden-Zyklus an, der ihn von 1966 bis 2003 beschäftigte. 

Das Bild „Oinomaos wird geschleift“ hinterlässt ein beklemmendes Gefühl: Im linken oberen Bildrand ist ein Zweiergespann von Pferden zu sehen und unten rechts liegt die dunkle Gestalt auf rotem Grund.

Über Jahrzehnte hatte Ruckhaberle einen künstlerischen Rückzugsort in Brasilien, wo er Zeit fand zum Malen. Als Kunsthallendirektor und später als kulturpolitisch Tätiger fehlte ihm diese – und wohl auch die Muße – in Berlin. Die Bilderzyklen, die in seinem dortigen Atelier entstanden, präsentierte der Künstler in großen Ausstellungshäusern in Brasilien. Im Jahr 1998 gründete er als 60-Jähriger den Künstlerhof Frohnau und leitete diesen auch. Sein eigenes Atelier wurde ihm zum Wohn- und Arbeitssitz. 

Bis zu seinem Tod mit 79 Jahren hat er leidenschaftlich gemalt trotz einer schweren Krankheit, die ihn mehrmals veranlasste, in ein Hospiz zu ziehen. Er konnte immer wieder in den Künstlerhof zurückkehren und weitermalen. Die entstandenen Bilder leuchten durch die Kombination oft ungewöhnlicher Farben.

Öffnungszeiten: bis zum 26. Mai, Mo-Fr, So 9-17 Uhr, Kontakt: GalerieETAGE im Museum Reinickendorf, Alt-Hermsdorf 35, www.museum-reinickendorf.de 

16. März 2019