Soziales & Familie

Rollberge – Aktiv im Kiez

Uwe Brockhausen stellte bei Kaffee und Kuchen Pilotprojekt vor

Von Bernd Karkossa

Die Tische waren gedeckt, zum frisch gebrühten Kaffee gab es Käse- und Erdbeerkuchen mit Sahne. Uwe Brockhausen, der Bezirksstadtrat für Wirtschaft, Integration und Soziales, hatte zur Auftaktveranstaltung des Pilotprojektes „Rollberge – Aktiv im Kiez“, geladen, und rund 20 interessierte Anwohner waren der Einladung von Brockhausen und dem freien Träger des Projektes, der Agrarbörse Deutschland Ost e.V., in den Kiez- und Bürgertreff an der Titiseestraße 3 gefolgt.

„Die Rollberge-Siedlung gehört zu den sozialen Brennpunkten im Bezirk“, eröffnete der Stadtrat. „Von diesem Projekt versprechen wir uns mehr Nachbarschaft, mehr Engagement.“ Die mit mehrgeschossigen Wohngebäuden dicht bebaute Siedlung habe sich sozial nachteilig entwickelt, wie die Datenlage der vergangenen beiden Berichte zum sozialen Monitoring belege. „Der vermehrte Zuzug von Mieterinnen und Mietern, die auf öffentliche Unterstützungsleistungen angewiesen sind, und die Struktur der Mieterschaft haben Handlungsbedarf ausgelöst.“ Fernziel sei, nach den Vorbildern Letteplatz und  Auguste-Viktoria-Allee ein Quartiersmanagement aufzubauen.

Zielsetzung des auf drei Jahre angelegten Projekts ist eine Aufwertung der Lebensqualität durch zusätzliche Angebote. Eng eingebunden sind Gangway e.V. und die Hausverwaltung ADO. Die Projektleitung unterliegt Bärbel Görsch vom Verein Agrarbörse Deutschland Ost – ein anerkannter Träger der Jugendhilfe, der in Absprache mit Jobcentern und Arbeitsagenturen Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen anbietet. Seit zehn Jahren engagiert sich der Verein in Reinickendorf.

„Wir wollen neue und alteingesessene Einwohner zusammenbringen“, erklärte Andre Stoltmann von der Agrarbörse. „Was nicht ganz einfach ist, die verschiedenen Kulturen unter einen Hut zu bringen“, gab ein älterer Gast zu bedenken. In der Runde saßen ausschließlich deutsche Anwohner, zumeist älteren Semesters.

Backen mit Kindern, eine Tanzgruppe, Müttertreff, wöchentliche Nachbarschaftstreffen – die Palette ist groß. „Wenn jemand eine Projekt­idee hat, dann bieten wir ihm Räumlichkeiten und den organisatorischen Rahmen an“, sagt Stoltmann. Aus dem Vollen schöpfen kann der Verein nicht. Aus dem Programm FEIN (Freiwilliges Engagement in Nachbarschaft) stehen jährlich 10.000 Euro zur Verfügung, man ist auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. „Wir bekommen meist Langzeitarbeitslose als Mitarbeiter, die für den ersten Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen. Aber sie geben sich alle Mühe“, so Bärbel Görsch.

Ein Termin hat sich fest etabliert. Immer mittwochs um 14.30 treffen sich in der Titiseestraße Kiezkinder. „Am Anfang waren es drei, vier, inzwischen sind es 16, 17 Kinder“, sagte Bärbel Görsch. „Manche Kids kommen her, weil sie einfach Hunger haben“, sagt Manuela Modenberg von der ADO-Hausverwaltung. Unterstützung für das Projekt kommt aus der Politik. „Die Rollberge-Siedlung ist ein großes kommunalpolitisches Thema“, sagte Andreas Rietz von den Grünen, der Leiter des Ausschusses für Sozialraumorientierung in der BVV ist. 

24. Juli 2018

Foto: Bernd Karkossa